Jeder Mensch irrt - ausgenommen der Papst, wenn er Glaubenssätze verkündet. So jedenfalls befand einst das erste Vatikanische Konzil. Nun waren die Kardinäle, so bemerkt Keil frech, selbst keineswegs Träger der päpstlichen Unfehlbarkeit. "Woher wussten sie dann, dass der Papst unfehlbar ist?" Besonders schwierig ist aber vor allem: Niemand weiß vorher, wann und wo er sich irren wird. Viele Philosophen haben daraus geschlossen, dass Menschen nichts wissen, sondern immer nur vermuten. Das ist aber ein Irrtum, den dieser Essay aufklärt: "Man muss eine Nase dafür entwickeln, wann man sich verrannt hat."
Dieses kleine Büchlein hat es laut Rezensentin Maja Beckers in sich, denn es berührt in der Diskussion vieler kleiner Fragen durchaus die großen der Philosophie "Was ist Wissen? Was ist Wahrheit?" Ein Autor wie Geert Keil, der in einem you-tube-Video die Heideggersche Sprache verspottet und sich auf diese Weise deutlich zur analytischen Philosophie bekennt, muss dann im eigenen Diskurs etwas zu bieten haben, meint die Kritikerin. Und sie kommt zu dem Ergebnis, dass er das tatsächlich tut. Am Beispiel des Irrens nämlich dekliniert er uns vor, welche Auffassung von Wissen wir anwenden in unseren Urteilen und Befindlichkeiten und diskutiert dabei wichtige philosophische Fragen. Am Ende scheint es auf ein "gut genug" herauszulaufen, so die begeisterte Kritikerin, augenzwinkernd eingedenk der Möglichkeit, sich geirrt zu haben.
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