Gaito Gasdanow

Ein Abend bei Claire

Roman
Cover: Ein Abend bei Claire
Carl Hanser Verlag, München 2014
ISBN 9783446244719
Gebunden, 192 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Übersetzt aus dem Russischen von Rosemarie Tietze. Die Geschichte einer großen Liebe und eine unvergessliche Schilderung Russlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts: 1917 begegnet der verträumte Kolja im vorrevolutionären St. Petersburg der bezaubernden Claire und verliebt sich in sie. Aber das Phantasiebild dieser Frau ist für ihn so viel wirklicher als die Realität, dass er ihr nicht zu folgen wagt, als die verheiratete Claire ihn eines Abends zu sich lädt. Nach der langen, sinnlosen Grausamkeit des Bürgerkriegs will er nun, Jahre später, Claire im Pariser Exil wiederfinden. Mit den Mitteln des modernen Erzählens erweckt Gaito Gasdanow die vergangene Welt seiner Jugend wieder zum Leben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2014

Absolut hingerissen ist Andreas Isenschmid von diesem jetzt in deutscher Übersetzung wiederzuentdeckendem kleinen Roman des fast vergessenen russischen Autors Gaito Gasdanow, der 1926 erstmals im Pariser Exil erschien. Der Ich-Erzähler Kolja erzählt darin sein von seinem Leben, von seiner schmerzvoll erlebten Distanz seines Inneren zur Außenwelt und von einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung, die über den Hauptteil des Romans aus der Erinnerung rekapituliert wird. Besonders intensives Glück bei der Lektüre empfindet der Rezensent bei den Passagen, in denen Kolja diese Trennung von innen und außen erlebt, die auch die erfahrungsgesättigsten sind, wie Isenschmid betont. Aber ebenfalls einen großen Reiz üben die Erzählungen aus dem vorrevolutionären Russland auf ihn aus, und mitunter will dem begeisterten Rezensenten dieser Roman in seiner kaleidoskopartigen Darstellungsweise scheinen wie ein "kubistisches Gemälde".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.03.2014

Andreas Breitenstein freut sich angesichts der Wiederveröffentlichung des Debütromans von Gaito Gasdanow in der stimmigen Übertragung durch Rosemarie Tietze. Höchste Zeit, Gasdanow zu entdecken, findet er. Der autobiografische Roman von 1930 nimmt den Rezensenten mit in die Zeit der bolschewistischen Revolution und zeigt ihm die Schrecken des Bürgerkrieges sowie unglücklicher Liebschaften. Die Atmosphäre ist laut Breitenstein morbid-verführerisch bis melancholisch-erregt-verzweifelt, doch in der Präsentation ganz der realitätssprengenden literarischen Moderne verpflichtet, weshalb der Rezensent mit gutem Gewissen darin schwelgen kann. Handlungsarmut und eine gewisse Unübersichtlichkeit fallen für ihn da kaum ins Gewicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2014

Das Buch, erläutert Tilman Spreckelsen, hat zwar nicht die Abgründigkeit des ersten auf Deutsch erschienenen Romans Gaito Gasdanows. Eine klare Lektüreempfehlung gibt uns der Rezensent aber dennoch. Und zwar, weil es dem Autor gelingt, seine Ergründung von Erinnerung und Perspektiven auch in diesem Buch unterhaltsam und erzählerisch kunstvoll fortzuführen. Den Text hält Spreckelsen, und das ist für ihn das Faszinierende, bei all seiner autobiografischen Orientierung für wunderbar "realismusfern", da Gasdanow Erlebnis und Gedankenwelt, innere und äußere Existenz sich gekonnt durchdringen lässt, das Exil-Paris und das Russland der Revolutionszeit, beides Orte, an denen sich die beiden Hauptfiguren Kostja und Claire im Roman begegnen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.02.2014

Christopher Schmidt führt ausführlich durch Gaito Gasdanow bereits 1930 erschienenen, doch erst jetzt übersetzt vorliegenden Debütroman, der seinen Autor seinerzeit zu literarischem Starruhm verhalf. Später wurde er mit den Arbeiten von Camus verglichen und galt als wichtiger Beitrag zur exilrussischen Literatur, weiß der Kritiker. Gekennzeichnet ist die stark autobiografisch geprägte Geschichte eines Exil-Russen, der nach vielen Stationen in Paris strandet, von einem fiebrig "flimmernden Mikroklima", führt Schmidt aus: Was Wirklichkeit und was "Treibgut eines Bewusstseinsstroms" ist, hält der Autor, ein Meister verführerischen Sprachgebrauchs, bewusst offen, auch der Handlungsverlauf bleibt porös. Großes Lob spricht der Rezensent schließlich auch an die Übersetzerin Rosemarie Tietze aus, deren Arbeit sich in ein historisch sensibles Verhältnis zum Originaltext setzt.
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