Ostberlin staunt darüber. Der junge Mann heißt Fritz J. Raddatz, damals, als die Geschichte dieses Buches beginnt, stellvertretender Cheflektor des Ostberliner Verlags Volk und Welt; der Schnörkel ist die Unterschrift, in ihrem Schwung nicht leicht zu entziffern auf Briefen und Verträgen, von Heinrich Maria Ledig-Rowohlt. Ende der fünfziger Jahre lernen beide sich kennen, und aus dem Schnörkel wird eine Person, dann auch ein literarischer Gefährte, ein "Chef", ein Freund, ein Mit-Abenteurer auf den Beutezügen in die deutsche und die ausländische Literatur. Davon erzählt dieses Buch: wie das deutsche Verlagswesen nach dem Krieg neu begann und wie im Rowohlt-Verlag, Reinbek, zwei Männer in gemeinsamer Begeisterung für die Literatur einen internationalen Verlag schufen, wie er nicht seinesgleichen hatte.
Als allerletzten Gruß des großen Fritze Raddatz liest Tilman Krause dieses Buch. Da steckt viel Wohlwollen dahinter, denn eigentlich kennt Krause den Inhalt im Wesentlichen ja schon aus Raddatzens "Unruhestifter". Neu ist ihm, was nach dem Bruch mit Ledig-Rowohlt folgte, weiter Verbundenheit nämlich, wie Krause staunt. Davon abgesehen macht die Lektüre dem Rezensenten Freude, Doppelporträt eines Menschen der Menschen und der Bücher, wie er schreibt, nein zweier, und um die wilden 60er geht es natürlich auch, meint Krause.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.03.2015
Willi Winkler ist ganz besoffen von den heillosen Schwärmereien und schillernden Anekdoten aus der Hochzeit der Literatur in diesem Erinnerungsband von Fritz J. Raddatz, dem letzten Buch des kürzlich Verstorbenen. Das ist sicher im Sinne des Autors. Allerdings ist Winkler dann doch nicht so betäubt, als dass er nicht merkte: Dieses Buch hat Raddatz schon einmal geschrieben. Auch wenn das homoerotische (Arbeits-)Verhältnis zwischen dem Autor und dem Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, das hier ganz ungehemmt als Märchen aus 1001 Nacht erzählt wird, den Rezensenten wieder verzaubert, er hat das alles "fast vollständig" und "über weite Strecken wortgleich" schon in dem 2003 erschienenen Memoiren-Band "Unruhestifter" gelesen.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Ben Lerner: Transkription Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…