Gebrochene Versprechen
Das Ende des Kalten Krieges und der Aufstieg des Neoliberalismus

Hamburger Edition, Hamburg 2025
ISBN
9783868544022
Gebunden, 440 Seiten, 40,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Felix Kurz und Utku Mogultay. Warum kam der Kalte Krieg zu einem friedlichen Ende? Und warum hat die neoliberale Wirtschaftspolitik im späten 20. Jahrhundert die Welt erobert? In diesem Buch argumentiert Fritz Bartel, dass die Antwort auf diese Fragen ein und dieselbe ist. Der Kalte Krieg begann als Wettstreit zwischen kapitalistischen und kommunistischen Regierungen, um ihren Bürgerinnen und Bürgern ein besseres Leben zu ermöglichen. Doch die wirtschaftlichen Erschütterungen der 1970er Jahre machten solche Versprechen auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs unhaltbar. Die Energie- und Finanzmärkte übten immensen Druck auf die Regierungen aus. Der Historiker Fritz Bartel erzählt, wie der Druck, Versprechen zu brechen, das Ende des Kalten Krieges einleitete. Im Westen gab der Neoliberalismus Ronald Reagan und Margaret Thatcher das politische und ideologische Rüstzeug, um Industrien abzuwickeln, Sparmaßnahmen durchzusetzen und die Interessen des Kapitals über die der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu stellen. Doch in Osteuropa wehrten sich Revolutionäre wie Lech Walesa gegen jeden Versuch, die Regeln des Marktes durchzusetzen. Und Michail Gorbatschow gelang es letztlich nicht, das sowjetische System zu reformieren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.01.2026
Rezensent Tim B. Müller fehlt im Buch des US-Historikers Fritz Bartel das Gespür für das Politische und die feinen Unterschiede zwischen Ost und West. Nur ohne sie kann der Autor laut Müller behaupten, der Neoliberalismus sei ein globales Paradigma gewesen, die Perestroika bloß eine Art Sowjet-Thatcherismus bzw. Reagans und Thatchers Programme neoliberale Perestroika. Durchaus originell findet der Rezensent, wie Bartel das Schema in die "Welt nach dem Boom" überträgt, zu Sparzwang und Ölexploration. Allerding entgeht Müller nicht, dass dabei "viel verlorengeht", politische Unterschiede etwa, und die Erkenntnis "versprochen, gebrochen", betreffend den Wohlstand für alle sich abnutzt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 28.07.2025
Eine positive Besprechung lässt Rezensent Tom Schimmeck Fritz Bartels Buch zukommen. Der amerikanische Historiker beschäftigt sich darin mit den Versprechungen auf ein besseres Leben, die sowohl der sozialistische Osten als auch der kapitalistische Westen den Menschen in der Nachkriegszeit machten und die hier wie da gebrochen wurden. In gewisser Weise gab es ab den 1970ern nicht nur im Westen, sondern auch im Osten, eine Wende hin zum Neoliberalismus, die treibenden Kräfte sind die Schulden, die der Osten beim Westen macht sowie die Sowjetunion als Energielieferant. Insgesamt, so Schimmeck mit Bartel, gibt die Politik das Heft des Handelns immer mehr aus der Hand und die Unternehmer übernehmen. Das alles wird von Bartel mit solidem Datenmaterial unterfüttert und in nüchterner Manier dargestellt, lobt der Kritiker. Nicht zuletzt gefällt dem Rezensent an diesem guten Buch, dass Schimmeck bei aller Betonung von Kontextfaktoren nicht die Handlungsmacht der Menschen, etwa beim Fall der Berliner Mauer, aus den Augen verliert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2025
Rezensent Oliver Weber entdeckt im Buch des Historikers Fritz Bartel neue Perspektiven auf das Ende des Kalten Krieges. Nicht so sehr Ideen und Personen stehen bei Bartel im Vordergrund, sondern Geldströme, erkennt Weber und lässt sich auf diesen "Perspektivwechsel" ein. Weber lernt, dass die demokratische Machtübernahme in Polen ein Nebeneffekt einer IWF-Initiative war und der Mauerfall zumindest auch auf die Bemühung der DDR-Führung zurückzuführen ist, an westliche Finanzspritzen zu kommen. Auch wenn die Studie ihre blinden Flecken hat, wie der Rezensent einräumt, kann Weber ihr einiges abgewinnen und ahnt, dass sich mit ihr auch Entwicklungen nach dem Ende des Kalten Krieges besser verstehen lassen.