Friedrich Wilhelm Graf

Kirchendämmerung

Wie die Kirchen unser Vertrauen verspielen
Cover: Kirchendämmerung
C. H. Beck Verlag, München 2011
ISBN 9783406613791
Kartoniert, 192 Seiten, 10,95 EUR

Klappentext

Die Kirchen in Deutschland erleben eine beispiellose Austrittswelle. Was läuft schief? Nur auf die Missbrauchsskandale zu verweisen greift zu kurz. Die Gründe liegen tiefer. Friedrich Wilhelm Graf analysiert in diesem Buch sieben Kardinal-Untugenden der Kirchen: die verquaste Sprache der Theologen, den selbstgerechten Moralismus der Funktionäre, die Bildungsferne der Gottesdienste, die Demokratievergessenheit politischer Interventionen, die weltfremde Selbstherrlichkeit der Würdenträger, den Abschied von einem pluralistischen Christentum sowie den Paternalismus kirchlicher Sozialmanager. Diese Analyse der kirchlichen Missstände ist längst überfällig. Sie will wachrütteln, damit die Kirchen ihrer gesellschaftlichen Aufgabe in Zukunft besser gerecht werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2011

Aufgerüttelt durch die freche Feder des Autors, eines Ethikers und Kenners der Theologie- und Geistesgeschichte, wie Niklaus Peter uns mitteilt, legt der Rezensent Friedrich Wilhelm Grafs Buch zur Lage der Kirche beiseite. Was hat er gelernt? Der weit gefasste Blick des Autors bietet ihm zunächst einmal Perspektiven, von der Shell-Studie bis zum Kirchentagsbrief und zum Traktat aus dem 19. Jahrhundert. Die vom Autor über diesen Umweg herausgearbeiteten "Untugenden" der beiden mächtigen christlichen Kirchen, von der Vernachlässigung der Wortkultur und der Inthronisierung der Wellness-Religion bis zur kleinbürgerlichen Selbstherrlichkeit der Kleriker, lassen den Rezensenten den Korrekturbedarf spüren. Zumal der Autor mit äußerst scharfer Feder schreibt, wie Peter die Kirchenhäupter vorsorglich warnt. Dass der Band aus überarbeiteten Zeitungsbeiträgen besteht, ist für ihn kein Nachteil.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.05.2011

Dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf geht es um die protestantischen Kirchen im Land. Auch da gibt es jede Menge Grund zur Krisenstimmung und Kritik, stellt Hermut Löhr fest, er nennt nur Missbrauch und Gottestdienstflucht. Graf fügt noch Selbstherrlichkeit, Demokratievergessenheit, Muff, Medieneitelkeit und Zukunftsverweigerung hinzu. Denn mit entsprechenden Seitenblicken führt der Autor dem Rezensenten vor Augen, dass dies keinesfalls Domänen der katholischen Kirche sind. Löhr zeigt sich überzeugt vom Gespür Grafs für die oben genannten Defizite, aber auch für die Rolle der Diakonie und die Niederungen der Personalpolitik an den kirchlichen Hochschulen. Ein beinahe komplettes Bild, eine vorbildliche Analyse, meint Löhr. Dass Graf dabei die Praxis des Religionsunterrichts vergessen hat, findet Löhr allerdings unverständlich.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2011

Rezensent Johann Hinrich Claussen weiß Friedrich Wilhelm Grafs Buch "Kirchendämmerung" zu schätzen, auch wenn er dessen Ansichten nicht immer teilt. Die in dem Band versammelten Feuilletonbeiträge des Autors zur Situation der Kirchen in der Gegenwart hält er für so klug wie streitbar. Allerdings verbergen sich Argumentation und Anliegen Grafs seines Erachtens oft hinter einer dicken Schicht Polemik. Er liest das Werk als Streitschrift für eine "postautoritäre, elastische" Volkskirche. Dass die kirchlichen Autoritätskultur schuld sein soll an der Krise der Kirche heute, hält er aber zumindest im Blick auf die evangelische Kirch für fraglich, hat sich diese doch spätestens 1968 davon verabschiedet. Zudem hat Claussen den Eindruck, dass sich Graf am "Protestprotestantismus" der achtziger Jahre abkämpft. Die elastische Volkskirche ist nach Einschätzung des Rezensenten, der selbst in der Kirche tätig ist, längst Realität, die eigentliche Herausforderung sieht er heute darin, die Freiheit zu begreifen und zu gestalten. Dazu aber findet er in Grafs Buch nichts.
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