Klaus Berger

Widerworte

Wieviel Modernisierung verträgt Religion?
Cover:  Widerworte
Insel Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783458172772
Kartoniert, 176 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Auf die Anpassung folgt die Panik. Innerhalb der letzten Jahrzente haben sowohl die katholische als auch die protestantische Kirche einen großen Schub an Modernisierung gefordert - und erlitten. Nie hat sich die Kirche so stark gewandelt wie in dieser Zeit. Am voläufigen Ende dieses Weges steht ein dramatischer Verlust an Mitgliedern und öffentlichem Gewicht. Und der Auseinandersetzung mit anderen Religionen, insbesondere mit dem Islam, zeigt sich die christliche Kirche nicht recht gewachsen. Laut Klaus Berger sollen die Wörter "modern" und "unmodern" für die Religion abgeschafft werden, denn in religiösen Dingen sind fast alle Positionen nach kurzer Zeit erstarrt oder solche von vorgestern unerhört aktuell.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005

Antje Schrupp wird mit Klaus Bergers Kritik an den Modernisierungsbestrebungen des Christentums nicht ganz warm. Zwar spreche der Heidelberger Neutestamentler durchaus einige tatsächlich beklagenswerte Punkte an, etwa die Verwendung von isolierten Bibelzitaten zum Beleg für alle möglichen Meinungen. Bei der angeblich fehlenden Frömmigkeit der Theologen aber muss Schrupp widersprechen. Gerade die neue Generation lebe ihre Religion. Und vor allem: "sie schauen nach vorn, während Berger zurückschaut". Krupp findet es "besserwisserisch", wenn nicht sogar "weltfremd", wenn Berger die "Entmythologisierung" der biblischen Texte oder die Aufnahme von Frauen ins Pfarramt kritisiert. Vor der Aufklärung sei die Kirche beileibe nicht besser oder die Gläubigen frömmer gewesen, meint die Rezensentin. Es habe nur einfach keine Konkurrenz wie die Esoterik, den Rationalismus oder den Islam gegeben. Sie gesteht Berger zwar zu, die Bedeutung eines überzeugenden und mitreißenden Christentums zu Recht heraus zu streichen. "Allerdings sind seine eigenen Texte davon meilenweit entfernt."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2005

Mit Sympathie und Wohlwollen hat Rezensent Helmut Löhr diese "Widerworte" des katholischen Theologen Klaus Berger gelesen, auch wenn er in der Sache nicht immer mit ihm übereinstimmt. Er charakterisiert Berger als "Konservativen mit Lust an der Provokation" und "theologischen Anti-Theologen", der mit "munterem Stil" und "guter Schreibe" gegen den Zeitgeist der "theological correctness" antrete. Löhr zählt eine ganze Reihe von Themen auf, um die es dem Autor geht: einen Glauben, der das rational Unerklärliche und das Wunder für möglich halte, eine neue Wahrnehmung der theologischen Tradition und des liturgischen Schatzes der Kirche, einen schonenden, nicht allzu kritischen Umgang mit der Bibel sowie um das priesterliche Amt, die Legitimation seiner Kirche und des Papstes. Am "lebhaftesten" und "polemischsten" findet er Berger allerdings, wenn dieser auf die eigene Profession, auf die Ausbildung von Theologen und den wissenschaftlichen Umgang mit der Bibel zu sprechen kommt. Bergers Plädoyer für eine Theologie, die den Naturwissenschaften die Deutungshoheit über die Welt streitig macht, sieht Löhr freilich etwas zurückhaltend. "Bei aller Sympathie für theologisches Selbstbewusstsein", kommentiert er die Ausführungen Bergers zu diesem Punkt, "es wäre doch schon viel gewonnen (...), wenn Theologie und Naturwissenschaften in ein wirkliches Reden mit- und nicht übereinander kämen."
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