Friedrich Ani

Totsein verjährt nicht

Roman
Cover: Totsein verjährt nicht
Zsolnay Verlag, Wien 2009
ISBN 9783552054707
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Am 8. April 2002 wird die achtjährige Scarlett Peters zum letzten Mal gesehen. Drei Jahre danach wird Jonathan Krumbholz, ein vierundzwanzigjähriger, geistig zurückgebliebener Mann, wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Sechs Jahre später bekommt Polonius Fischer, Kommissar bei der Mordkommission in München, von einem Schulfreund der Verschwundenen einen Brief. Er will Scarlett auf der Straße erkannt haben. Ist dem Zeugen zu trauen? Ist Scarlett gar nicht tot - obwohl ihre Mutter für sie ein Grab auf dem Neuen Südfriedhof gekauft hat? Hat die Polizei sich geirrt? Friedrich Ani erzählt in seinem Kriminalroman mit atemloser Spannung die Geschichte eines realen Falles, der alle Sicherheiten in Frage stellt. Polonius Fischer ist zutiefst irritiert: Haben seine Kollegen wissentlich nach einem Sündenbock für einen Mord gesucht, um einen Fall abzuschließen, der die Öffentlichkeit bewegt hat wie kein zweiter?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.01.2010

Polonius Fischer, früher Mönch, jetzt Mordkommissar, ist in schwieriger Lage. Seine Freundin liegt im Koma, ein alter, belastender Fall wird neu aufgerollt und überhaupt verzweifelt Fischer an der schnöden "praktischen Vernunft" seiner Kollegen. Durch ein unendlich fahles München schickt Friedrich Ani seinen Helden, der auf sehr beunruhigende Weise im Verlauf der Romans vom Ermittler, so die Rezensentin Jutta Person, zum "Racheengel" wird. Mehr denn je kommt Person der Münchner Autor als der größte "Metaphysiker" unter den Krimischriftstellern vor. Ein ganz eigenes Bild der bayerischen Großstadt wird hier entworfen, lobt die Rezensentin, und wenn sie die Verwandlung des "gottsuchenden" Fischer mitansehen muss, wird ihr heiß und kalt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2009

Rezensent Richard Kämmerlings entdeckt in der Krimiliteratur eine "neue Universalität" und stellt drei Krimiautoren und ihre jüngsten Bücher vor, die, jeder auf seine Weise, die Genregrenzen ausweiten. In Friedrich Anis "Totsein verjährt nicht" macht sich der schon durch zwei vorhergehende Bände etablierte Kommissar Polonius Fischer, ein ehemaliger Mönch, daran, einen sechs Jahre alten Mord an einem kleinen Mädchen wieder aufzurollen, weil er glaubt, dass der Falsche dafür verurteilt wurde, umreißt der Rezensent den Plot. Anis Spezialität für moralisch ambivalente Handlungs- und Motivketten erfasst in diesem Band den Kommissar, der diesmal selbst gewalttätig wird, erklärt Kämmerlings. Diese "genreuntypische" Wendung birgt in den Augen des Rezensenten ein hohes erzählerisches Risiko, wird aber dadurch abgesichert, dass nun ein Bogen durch alle drei Polonius-Fischer-Bände gespannt und das Trauma aus dessen Kindheit enthüllt wird, das die widersprüchliche Figur der Hauptperson determiniert, so Kämmerlings. Dabei findet er das fesselndste Element an diesem Protagonisten, dass er durch die Verbrechen, mit denen er konfrontiert wird, stets in neue Glaubenszweifel gestürzt wird.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.08.2009

Menschen mit Herz und Verstand könnten sich dem neuen Roman von Friedrich Ani, dem Schubert unter den Krimi-Autoren, nicht verschließen, glaubt Rezensent Tobias Gohlis. Zum dritten Mal lässt der Autor den ehemaligen Mönch Polonius Fischer als Kommissar in einem Mordfall ermitteln: Das achtjährige Mädchen Scarlett verschwindet, der mutmaßliche Mörder wird gefasst, aber die Leiche nie gefunden. Sechs Jahre später erkennt ein ehemaliger Klassenkamerad Scarlett auf dem Marktplatz wieder. Wie kann das sein? In "Totsein verjährt nicht" behandelt Ani Justizirrtürmer, das "rituelle Aufschluchzen der Medien" und die immer wiederkehrende Frage: Sind Menschen bei all den Gräuelltaten überhaupt noch fähig zu lieben? Gohlis ist überzeugt, dass dieser Roman mehr Wirklichkeit und mehr Dichtung enthält, als man aushalten mag. Ein "Bravo" vom Rezensenten, für den Mut und die Ehrlichkeit, denn in den Abgrund, den Ani auftut, möchten viele nach Meinung des Rezensenten eigentlich gar nicht blicken. Vielleicht auch deshalb nicht, weil sich am Ende herausstellt, dass Ani sich auf eine wahre Geschichte bezieht.