Friederike Reents

Stimmungsästhetik

Realisierungen in Literatur und Theorie vom 17. bis ins 21. Jahrhundert
Cover: Stimmungsästhetik
Wallstein Verlag, Göttingen 2015
ISBN 9783835317628
Gebunden, 532 Seiten, 49,00 EUR

Klappentext

Die ästhetisch-literarische Kategorie der "Stimmung" nimmt eine herausragende Stellung im Rahmen des in den vergangenen Jahren beobachteten "emotional turn" (Thomas Anz) ein. Anders als Gefühle und Affekte stammt der Begriff "Stimmung" ursprünglich aus einem musikästhetischen Zusammenhang und erfuhr erst später seine ihm heute primär zugeschriebene, psychologische, aber auch existenzphilosophische Konnotation. Friederike Reents untersucht die Geschichte des Stimmungsbegriffs ausgehend von Kants "Kritik der Urteilskraft" und zeigt, wie sowohl die Theorie als auch die ästhetischen Manifestationen stark von der Literatur-, der Ästhetik- und der Zeitgeschichte beeinflusst wurden. So präsentiert sich der Stimmungsdiskurs jeweils als Jahrhundertwende-Phänomen: Um 1800, um 1900 sowie um 2000 verdichtete sich dieser jeweils beträchtlich, während um 1850, aber auch nach 1945 beziehungsweise 1968 die Auseinandersetzung mit der polysemantischen, im 20. Jahrhundert schließlich unter Ideologieverdacht stehenden Kategorie stark zurückging. Friederike Reents beleuchtet den wissenshistorischen Kontext dieses Begriffs und zeigt an Beispielinterpretationen ausgewählter Werke aus den vergangenen 250 Jahren, wie fruchtbar die Kategorie der Stimmung für literaturwissenschaftliche Forschung ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2016

Rezensent Wolfgang Schneider bewundert Friederike Reents für die Leidenschaft, mit der sie sich mit der ästhetischen Wirkung von Literatur befasst, mit Literatur als Stimmungssache. Für Schneider ein vernachlässigter, aber wichtiger Konnex zwischen Leser, Literatur und Realität. Anregend, wie Reents laut Schneider alles andere als kühl systematisch die Stimmungsdiskurse von 1800 und 1900 einkreist, Pathos und Ernüchterung, Kälte und Verfall, Wein, Weib und Gesang, Stimmungsräume und Stimmmungsträger. Allein die 50 Seiten zu den "Buddenbrooks", Tapetenforschung inklusive, scheinen Schneider die Lektüre der Studie wert. Auch wenn die ein oder andere Interpretation (etwa zu Benn) auf den Rezensenten etwas bemüht wirkt, insgesamt findet er den Band überzeugend.
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