Friederike Mayröcker

fleurs

Cover: fleurs
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425206
Gebunden, 152 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

"fleurs" - die Blumen, die Blüten, sie geben diesem Buch seinen Titel, lassen an Frühling denken, an laue Lüfte und flatternde Bänder. Doch wer sich auf diese Spur locken lässt, landet nicht auf der lieblichen Blumenwiese, sondern im steinigen und steilen Gelände: "agnus dei die Füszchen zusammengebunden, 1 Büschel weiszer Blumen im Mund".  "fleurs" ist der letzte Teil von Friederike Mayröckers Trilogie, die mit "études" und "cahier" ihren Anfang nahm. fleurs ist Erinnerung und Bilanz, ist Protest und Beschwörung. Und hält fest, was am Ende als Einziges zählt und bleibt - das Ritual, die Lebensversicherung des Schreibens: "Einfach so hinsetzen an die Maschine am Morgen bei wölfischem Heulen, nicht wahr".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2016

Rezensentin Beatrice von Matt staunt immer wieder über die existenzielle Dimension des Schreibens von Friederike Mayröcker. Ums Leben schreiben, das unternimmt die Autorin auch in diesem Band, versichert von Matt. Ihr bekanntes literarisches Universum ruft Mayröcker dazu auf, so die Rezensentin, setzt allerdings neue Schwerpunkte und Motive, hier das Diminutiv etwa. All die Stimmchen und Geistlein, die sie aufruft, können von Matt aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in diesen Texten immer die Verzweiflung lauert, die Verderbnis neben der Schönheit, der Tod neben dem Leben, ob in der Auseinandersetzung mit Derrida oder dem Anbeten der Blumen. Dann wieder vitaler Protest gegen das drohende Ende, so von Matt. Auch darauf kann sie sich bei Mayröcker verlassen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 19.03.2016

Herbert Wiesner hebt in seiner Besprechung den Einfluss von Jacques Derridas Buch "Glas" auf Friederike Mayröckers neuen Gedichtband "fleurs" hervor, der nach "études" und "cahier" das Ende einer Trilogie markiere. In "Glas" liest die österreichische Lyrikerin seit sechs Jahren täglich, weiß Wiesner, und so taucht Derrida als Initial "JD" in den Texten auf, genauso wie "EJ", Mayröckers verstorbener Lebensgefährte Ernst Jandl. "Fleurs" ist für den Kritiker ein "flirrendes florales Flechtwerk von Satzgirlanden" und entledige sich noch stärker den Zwängen des Satzbaus. Wiesner lobt die sprachliche Kunst der Gedichte und entdeckt sogar ein wenig Kitsch in ihnen. In jedem Fall aber löst das neue Werk in ihm "eine beglückend schwebende Leselust" aus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.02.2016

Die "Gedankenarabesken", Stimmungsbilder und "Verbalträume" in Friederike Mayröckers Band "fleurs" sind nicht zum Verstehen gedacht, sondern zum Verlieben, Betrachten und Sich Verlieren, meint Jörg Magenau. Hingerissen lässt sich der Kritiker von Mayröckers zärtlichen Worten und Sprachbildern einnehmen, staunt über ihre auch im Alter ungebrochene Lebens- und Liebeslust, lauscht andächtig den Gesprächen mit Ernst Jandl, Elke Erb, Hölderlin, Cy Twombly oder Alexander Skriabin und bewundert ihren unsentimentalen Umgang mit Alter, Trauer, Schmerz und Sehnsucht. Zum Ereignis wird dieser Band nicht zuletzt durch Mayröckers faszinierendes Spiel mit Interpunktion, Rechtschreibung, hieroglyphenhaften Zeichnungen und einem an Derrida geschulten Aufbrechen der Textstruktur, so der Rezensent: Eingerückte Textfragmente und das Nebeneinander von zwei Textspalten lassen hier ein "Gespräch der Sprache mit sich selbst" entstehen, schließt Magenau.
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