Die Rekrutierung muslimischer Albaner für die Waffen-SS auf dem Gebiet des heutigen Kosovo ist eine historische Tatsache, die man zunächst kaum glauben kann. Bis heute wird dieses brisante Thema emotional diskutiert, insbesondere von Serben, Kosovaren und Albanern.Der Balkan wird in Darstellungen zum Zweiten Weltkrieg nur selten berücksichtigt. Benito Mussolini machte aus dem kleinen Balkanstaat Albanien eine italienische Kolonie, die er wirtschaftlich ausbeuten und militärisch als Brückenkopf gegen den Osten nutzen konnte. Nach Hitlers Balkanfeldzug 1941 wurde der Kosovo unter den Achsenmächte aufgeteilt: Italien erhielt Mittel- und Südkosovo, die zusammen mit Albanien zu "Großalbanien" vereint wurden, während der Nordkosovo unter deutsche Militärherrschaft kam. Auch die Deutschen hegten vielerlei Absichten: Einerseits sollten wichtige Rohstoffvorkommen in deutschen Besitz gebracht werden, andererseits versuchten sie, Soldaten zu rekrutieren, um die durch den Russlandfeldzug entstandenen enormen Verluste auszugleichen. Höhepunkt war der Aufbau der 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS "Skanderbeg".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2017
Gottfried Niedhart liest viel Wissenswertes über die Interessen von Deutschen und Albanern an der Kooperation im Kosovo 1943/44 in Franziska A. Zauggs Arbeit. Anhand der vorliegenden Quellen, so Niedhart, zeichnet die Autorin Rekrutierung, Organisation, Ausrüstung und Funktion der großteils aus albanischen Muslimen bestehenden Division "Skanderberg" genau nach. Dass Zaugg darüber hinaus dem politischen und gesellschaftlichen Kontext nachgeht, in dem die Division agierte, und das Kosovo als von ethnischen Konflikten geprägten kleineren Gewaltraum innerhalb des europäischen Gewaltraums einordnet, findet der Rezensent bemerkenswert.
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