Franziska Augstein

Von Treue und Verrat

Jorge Semprun und sein Jahrhundert
Cover: Von Treue und Verrat
C. H. Beck Verlag, München 2008
ISBN 9783406577680
Gebunden, 382 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Jorge Sempruns Leben ist so ungewöhnlich, wie das 20. Jahrhundert an Grausamkeit und Ungeheuerlichkeiten reich war. Franziska Augstein hat über mehrere Jahre Gespräche mit dem Schriftsteller geführt. Ihr Porträt Sempruns zeigt, wie sich im Leben dieses Mannes historische Zeit verdichtet. Als Sohn einer großbürgerlichen republikanischen Familie musste Semprun nach Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs erfahren, was es heißt, im Exil zu leben. Sein Kampf in der französischen Resistance endete mit seiner Deportation ins KZ Buchenwald. Mitte der fünfziger Jahre machte die illegale Spanische Kommunistische Partei ihn zu einem führenden Funktionär. In neun Jahren lebensgefährlicher Untergrundtätigkeit gegen das Franco-Regime wurde er zum von der Polizei meistgesuchten Mann Spaniens. Nach seinem Ausschluss aus der KP machte er sich als Schriftsteller und Drehbuchautor einen großen Namen.
Sein Leben - die Gefangenschaft in Buchenwald, die Arbeit für die KP und seine schmerzhafte Abkehr von der stalinistischen Verblendung - hat Semprun nie bloß erlitten, sondern immer auch durchdacht. Sein Leben ist der Stoff seiner Romane. Aber vieles erzählt er in seinen eigenen Büchern nicht. Franziska Augsteins Buch begleitet Jorge Semprun durch Glück und Unglück, Gewalt und Gefahr. So entsteht das Porträt eines Jahrhundertlebens.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.03.2009

Rezensent Kersten Knipp ist hoch beeindruckt von Franziska Augsteins Biografie über den spanischen Schriftsteller Jorge Semprun, der nicht nur das Konzentrationslager Buchenwald überlebte, sondern auch (unter dem Pseudonym "Federico Sanchez") zum berühmtesten Widerstandskämpfer gegen die Franco-Diktatur wurde. Die Entscheidung der Autorin, zusätzlich zu Leben und Werk sowohl einen Abriss der spanischen Politik zu bringen als auch Sempruns Zeitgenossen zu Wort kommen zu lassen, findet der Rezensent sehr durchdacht. Schließlich hätten all diese Erfahrungen einen Einfluss auf seine Werke gehabt, die er im Sinne der "ästhetischen Ethik" Sartres schrieb - dem Lauf der Zeit entzogen, aber niemals ahistorisch. Augstein mache deutlich, so Knipp, "warum Jorge Semprun auf dem besten Weg ist, ein Klassiker zu werden".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.11.2008

Mit Lob bedenkt Jürgen Verdofsky diese Biografie Jorge Sempruns, die Franziska Augstein vorgelegt hat. Ausführlich rekapituliert er das Leben des Schriftstellers und berichtet u.a. über seine Emigration, seinen KZ-Aufenthalt, seinen Kampf gegen Franco und Hitler und sein Engagement für die Kommunistische Partei Spaniens. Der Rezensent hebt hervor, dass Augstein für ihr Buch über Jahre Gespräche mit Semprun führen konnte, ohne sich von der Aura des Schriftstellers "etwas verstellen" zu lassen. So charakterisiert er Augsteins Buch als "kritisch" und "zugewandt" zugleich. Dabei schätzt er besonders die ausgewogene Darstellung, die Widersprüche nicht unter den Tisch fallen lasse, diese aber auch nicht "abschätzig" bewerte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Das Buch und seine Autorin, gibt Rezensent Walter Haubrich zu bedenken, kümmern sich wenig um die Werke Jorge Sempruns, ihre literarische Bedeutung oder ihre Inhalte. Gut zu wissen. Dass der gut informierte, "spannend geschriebene" Band auf die Frage nach der Person Jorge Semprun mit dem Porträt einer Jahrhundertfigur antwortet, scheint Haubrich zu überzeugen. Franziska Augstein hält er für historisch versiert genug (gerade auch in Sachen Marxismus und Leninismus), neben dem Schriftsteller vor allem den Revolutionär und Politiker Semprun dem Leser vorzustellen. Neues aus der Zeit der Madrider Illegalität und über die Debatten innerhalb der spanischen KP erfährt der Rezensent und lernt "oft vergessene Mitkämpfer und Freunde" Sempruns kennen. Die stilistische Brillanz des Textes wird für Haubrich nur durch ein paar Fehler bei der Erklärung spanischer Ausdrücke getrübt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2008

Viel Freude und auch Erkenntnis hat Rezensent Dorion Weickmann diese Biografie des spanischen Schriftstellers Jorge Semprun bereitet, den er hier von Franziska Augstein mit höchst "frecher Eleganz" porträtiert sieht. Ohne "ins psychologische Souterrain" abzugleiten, entwerfe die Autorin ein sehr persönliches Bild von diesem Autor als einem Menschen, "der in sich selbst gehen kann, ohne sich selbst zu begegnen". Auch beeindruckt den Rezensenten, wie sich dieses biografische Porträt zum großflächigen und detailgenauen Panorama eines Zeitalters weitet. Ob Franco-Diktatur oder Naziterror, Stalinismus oder die Pariser Boheme der Nachkriegszeit: über alle "weitläufigen Lebensrouten" Sempruns habe diese Autorin ihre "Recherche-Netze" ausgeworfen und "jeden noch so kleinen Fang genauestens inspiziert und aufbereitet".