Dieter Kühn

Schillers Schreibtisch in Buchenwald

Cover: Schillers Schreibtisch in Buchenwald
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783100415097
Gebunden, 253 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Das Erbe eines Genies und einer Gewaltherrschaft. Von Schillers berühmtem Schreibtisch stehen in Weimar zwei Exemplare: das Original in Schillers Wohnhaus, mit Globus, zwei Kerzenhaltern, Feder, und eine maßgetreue Kopie in einem Lagerraum. Die Nachbildung wurde zwischen 1942 und 1943 hergestellt - anderthalb Jahre war Schillers Schreibtisch in einer Werkstatt-Baracke im Zentrum des KZ Buchenwald deponiert, als Vorlage für eine Kopie, die im Schillerhaus wegen der Gefahr von Bombenangriffen aufgestellt werden sollte. Ein Häftling des KZ fertigte die Kopie an. Das Original wurde im Nietzsche-Archiv sicher untergebracht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.08.2005

Zu vielen Details und zu vielen Ausrufezeichen, sieht sich Rezensent Yaak Karsunke ausgeliefert. Der Autor zaubere eine thematische Vielfalt aus seinem Zettelkasten, vernachlässige dabei aber die gedankliche Vermittlung des Materials. Schreibtischtechnisch, so Karsunke, sei das Buch als eine Art Werkstattbericht über ein zu schreibendes Schillerbuch konzipiert, als Selbstansprache des Autors und Erzählers. Eine 1943 in Buchenwald angefertigte Kopie von Schillers Schreibtisch diene ihm dabei als "Ausgangspunkt" für eine Recherchetortur in Sachen Schiller, die selbst noch Mussolinis Napoleon-Stück für erwähnenswert halte. Dabei blieben die spärlichen Anmerkungen des Autors, so der Rezensent, nur zu oft zwischen Schulfunk und Volkshochschule stecken, stilistisch gesprochen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005

Dieter Kühn zeichnet in seinem als "Bericht" charakterisierten Buch das Weimar der Klassik und das Konzentrationslager Buchenwald als "fatale Einheit", stellt Paul Michael Lützeler fest. Der Autor beschreibe darin die Vereinnahmung Schillers durch die Nationalsozialisten, die unter anderem dessen Schreibtisch in Buchenwald von einem Häftling nachbauen ließen, um das Original vor Luftangriffen in Sicherheit zu bringen, teilt der Rezensent aus dem Inhalt mit. Es beeindruckt ihn, dass sich Kühn in seinem Buch jeglicher Ideologisierung und Vereinnahmung seinerseits enthält und stattdessen die sich im Ort Weimar-Buchenwald treffenden "historischen Verkreuzungen" der deutschen Geschichte nachzeichnet. Gleichzeitig gefällt es dem Rezensenten, dass der Autor aus seiner Bewunderung für Schiller und dessen "Ethos" keinen Hehl macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.04.2005

Licht und Schatten: Hans-Peter Kunisch ist recht angetan von der - "angenehm wenig jubeljahrhaften" - Idee, die diesem Buch zugrunde liegt: die Rekonstruktion der Ereignisse um den Nachbau von Friedrich Schillers Schreibtisch durch Häftlinge des KZ Buchenwald, im Rahmen der Kulturpolitik der Nazibehörden. Kühn versucht sich an einer zeit- und mentalitätsgeschichtliche Skizze, die einen konkreten Gegenstand zum Ausgangspunkt hat - sozusagen vom Stuhl aus gesehen, auf dem Schiller saß und schrieb. Das klappt auch, findet Kunisch, ganz wunderbar - auf den ersten dreißig Seiten, in denen Kühn die Akten der offiziellen Vorgänge auswertet. Dann jedoch verschwimmt die Detailgenauigkeit, weitet sich der Blick ins Ungefähre, der Stil wird unnötig aufgeregt, und vor allem: Der Tisch verschwindet. Stattdessen: "Erzählungen zu Schillers Leben und Werk". 150 Seiten lang. Nach der Durststrecke durfte der Rezensent jedoch auf Seite 182 wieder aufatmen: Da steht der Name der KZ-Tischlers.
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