Franz Sommerfeld (Hg.)

Der Moscheestreit

Eine exemplarische Debatte über Einwanderung und Integration
Cover: Der Moscheestreit
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2008
ISBN 9783462040104
Kartoniert, 239 Seiten, 8,95 EUR

Klappentext

Am Anfang steht ein leidenschaftliches Streitgespräch zwischen dem jüdischen Schriftsteller und NS-Überlebenden Ralph Giordano und Bekir Alboga, dem nationalen Dialog-Beauftragten der türkisch islamischen Union Ditib, über den Bau einer zentralen Mosche im KölnerTraditionsviertel Ehrenfeld. Giordano fordert: Stoppt den Bau dieser Moschee! Damit provoziert er Widerspruch, spricht aber auch vielen aus dem Herzen. In der Folge entwickelt sich eine ernsthafte öffentliche Debatte über das Verhältnis von Muslimen und Christen und den Stand der Integration in Deutschland. Dieses Buch dokumentiert den Streit mit zahlreichen Beiträgen aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Der evangelische Präses Schneider kritisiert den imperialen Charakter der Moschee-Architektur. Verfassungsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde schreibt über das Verhältnis von säkularem Staat und Religion. Günter Wallraff begründet seinen Wunsch, in der Moschee aus den "Satanischen Versen" von Salman Rushdie zu lesen. Architekt Paul Böhm will die Muslime aus den Hinterhöfen holen. Kabarettist Martin Stankowski startet eine Muslim-Rallye. Bekir Aboga begründet die Notwendigkeit eines repräsentativen Baus. Sabine Kraft schreibt über die Spannung zwischen traditioneller und moderner Moschee-Architektur. Tobias Kaufmann kritisiert die fehlende Bereitschaft der Linken zur Kritik.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.08.2008

Vor allem "dokumentarischen Wert" bescheinigt Daniel Bax diesem Sammelband über den Moscheestreit von Köln. Als kritischen Band will er die von Franz Sommerfeld herausgegebene Publikation nicht durchgehen lassen. Die Beiträge scheinen ihm nämlich allzu einseitig. Zu Wort kommen seines Erachtens in erster Linie Kritiker und Gegner der Moschee, von Ralph Giordano über Henryk M. Broder bis zu Kardinal Joachim Meisner. Für Bax dominiert hier eine "Rhetorik des Verdachts". Bemerkenswert findet er immerhin den Beitrag von Joachim Frank, der die Gründe für den "Klimawandel zwischen den Kirchen und den islamischen Verbänden" analysiert. Daneben biete der Band Beiträge zur Geschichte der Arbeitsmigration oder zur Architektur von Moscheen. Besonders bedauert Bax, dass der Band auf die Angst-Propaganda der Stadtratsfraktion "Pro Köln", die den ganzen Streit erst auslöste, mit kaum einen Wort eingeht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.04.2008

In diesem interessanten Sammelband wurden die unterschiedlichsten Akteure des Kölner Moscheestreits gegenübergestellt, begrüßt Stefan Luft. Die unterschiedlichen Argumente sind weitreichend und decken viele Themenbereiche ab. Die Streitpunkte reichen von der Bauweise - von Sabine Kraft als "imperiale Geste" verstanden - über die "Furcht vor der schleichenden Islamisierung" bis hin zu der Rolle eines türkischen Regierungsorgans  - der Ditib - als Bauherr der Moschee. Von der Moscheefrage ausgehend liefert Wolfgang Böckenförder den ausführlichsten Beitrag, in dem sich der Staatsrechtler mit der Existenz des Islams im säkularen Staat auseinandersetzt, informiert der Rezensent, der sich mit einer Bewertung des Bandes ansonsten zurückhält. Scharf ins Gericht geht Luft nur mit Ralph Giordanos Äußerungen, die die ganze Debatte aber immerhin entfacht haben.
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