Güte ist, so zeigt Franz Schuh in seiner gleichermaßen luziden wie anregenden Abhandlung, nicht zuletzt ein Sehnsuchtsbegriff, der auf einem offensichtlichen Mangel gründet. Was Güte ist, lässt sich am schönsten dort zeigen, wo sie fehlt, zum Beispiel in dieser 20.-Jahrhundert-Welt von Louis-Ferdinand Celines Reise ans Ende der Nacht - einem 1932 erschienenen Roman, der die (historischen) Härten des kollektiven und individuellen Überlebenskampfes in schockierender Offenheit niederschreibt. Der so genannte "Sozialstaat" war eine der politischen Antworten auf diese Härten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008
Tobias Lehmkuhl lässt in seiner Kurzkritik an Franz Schuhs Buch über die Güte kein gutes Haar und zeigt sich insbesondere angesichts der stilistischen Eigenheiten des Autors schwer genervt. Der sich in Abschweifungen ergehende, plaudernde Duktus des Essayisten erregt den Unmut Lehmkuhls, zumal er auch die Argumentationen Schuhs nicht wirklich überzeugend findet, wenn er beispielsweise dem "Charity"-Konzept einer Fiona Swarovski wahre Güte abzusprechen sucht. Der Rezensent wirft Schuh gar "formloses Salbadern" vor und urteilt knapp, dass sich damit weder ein "großer Essayist", als der er nicht selten gerühmt werde, empfehle, noch ein gelungenes Buch dabei herausgekommen sei.
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