"Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg, sondern nur noch Frieden ausgehen", so fassten Kanzler Helmut Schmidt und SED-Generalsekretär Honecker bei ihrem Treffen am Werbellinsee im Dezember 1981 das Verbindende in den deutsch-deutschen Beziehungen zusammen. Mit Honecker bekannte sich Schmidts Nachfolger Helmut Kohl zu einer deutsch-deutschen "Koalition der Vernunft" in einer Zeit erneut wachsender Spannungen zwischen den beiden Supermächten. Anhand der Deutschlandpolitik im Wandel des Ost-West-Konflikts, des KSZE-Prozesses und unter dem Einfluss des NATO-Doppelbeschlusses wird die deutsch-deutsche Verflechtungsgeschichte von der doppelten Staatsgründung bis zur deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990 nachgezeichnet. Die Öffnung der Berliner Mauer und der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989 und damit das nahende Ende der deutschen Teilung kommentierte Willy Brandt mit den Worten: "Jetzt sind wir in einer Situation, in der wieder zusammenwächst, was zusammengehört." Die deutsche Einheit setzt Konrad Adenauers Grundentscheidung für den Weg nach Westen als zwingende Konsequenz der deutschen Geschichte fort.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2024
Eine etwas zu altmodische Diplomatiegeschichte legt Franz-Josef Meier hier vor, findet Rezensent Frank Bösch. Das Buch, das insbesondere die zwischendeutschen Beziehungen in der Zeit des geteilten Deutschlands analysiert, fokussiert vor allem auf das Handeln einiger weniger Politiker wie Helmut Kohl und Egon Krenz, weitgehend außen vor bleiben dagegen zivilgesellschaftliche Akteure sowie jüngere Erkenntnisse der Geschichtswissenschaft. Problematisch findet Bösch auch, dass Meier sich allzu oft auf die Memoiren der Politiker stützt. Im Weiteren zeichnet der Rezensent entlang des Buches einige Aspekte der deutsch-deutschen Beziehungen nach, unter anderem bezüglich der auf Abstand zum Westen bedachten sowjetischen Vorgaben an die DDR-Führung sowie der zunehmend selbstbewussten Forderungen Kohls an den Osten in den 1980ern. Die Materialfülle des Buches beeindruckt Bösch durchaus; nur hätte sich der Rezensent mehr kontextualisierende Einordnung des Politikerhandelns gewünscht.
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