Die meisten Juristen, Wissenschaftler, Unternehmer, Publizisten, Ärzte und Offiziere, die bis 1945 dem Naziregime treu ergeben waren, konnten in der Nachkriegszeit ihre Karrieren fortsetzen. Immer wieder entfachten Skandale um ehemalige NS-Funktionäre in wichtigen Positionen die Debatte um das braune Erbe in Wirtschaft, Politik und Kultur. Der Historiker Hans-Ulrich Thamer legt erstmals eine vergleichende Überblicksdarstellung vor und beschreibt die Strategien und Netzwerke, mit deren Hilfe weite Teile der NS-Elite in der Bundesrepublik und in der DDR ihren Platz behaupten konnten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.02.2025
RezensentJost Dülffer liest Hans-Ulrich Thamers Buch über die Karrieren von NS-Personal in der Bundesrepublik . Thamer, laut Dülffer einer der "besten Kenner" des NS-Zeit, betritt hier kein Neuland, sondern fasst Erkenntnisse der sogenannten Behördenforschung zusammen und stellt sie in einen größeren Zusammenhang. Er bearbeitet dieses Thema entlang der verschiedenen Sektoren der Gesellschaft, darunter Wirtschaft, Journalismus und Recht. Er rekonstruiert einzelne Biografien, zum Beispiel die des Rüstungsproduzenten Hans-Günther Sohl, der erheblich von Zwangsarbeit profitierte, lesen wir. Thamer zeige außerdem auf, wie ehemalige NS-Funktionäre ihr Handeln im Dritten Reich rechtfertigten und wie die bundesrepublikanische Gesellschaft auf sie reagierte. Er argumentiert außerdem, erklärt Dülffer , dass das kollektive Verschweigen der Elitenkontinuität von NS-Deutschland und BRD notwendig für die Stabilität Nachkriegsdeutschlands gewesen sei, damit schließt er sich einer These von Hermann Lübbe aus dem Jahr 1983 an, wie wir lesen. Dülffer widerspricht diesem Befund nicht direkt, merkt aber an, dass die Verdrängungsprozesse, die dafür notwendig waren, möglicherweise mehr Schaden angerichtet haben, als gemeinhin angenommen.
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