Frank Westerman

Das Schicksal der weißen Pferde

Eine andere Geschichte des 20. Jahrhunderts
Cover: Das Schicksal der weißen Pferde
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406630880
Gebunden, 286 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Gerd Busse und Gregor Seferens. Frank Westerman erzählt die Geschichte des 20. Jahrhunderts im Spiegel der Geschichte der Lipizzaner-Pferde. Der Leser verfolgt mit, wie gekrönte Häupter und Diktatoren um die "perfekten Tiere" kämpften - und gewinnt dabei erstaunliche Erkenntnisse über das Selbstverständnis des Menschen und sein Streben nach eigener Perfektion. "Wenn du einen Lipizzaner berührst, berührst du Geschichte", wurde Frank Westerman als Kind belehrt. Dass diese Geschichte unheimlich und abgründig ist, hat er Jahre später als reisender Journalist und Schriftsteller auf den Spuren der Lipizzaner erfahren. Sie beginnt im heute slowenischen Lipica und in der Spanischen Hofreitschule zu Wien, wo die "lebenden Kronjuwelen" des Habsburgerreiches ausgebildet werden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Durch die Blume erzähle Frank Westerman in seinem Buch eigentlich eine Geschichte des Tieres Homo sapiens, sozusagen vom Rücken der Lipizzaner aus, jener edlen Pferderasse, um die es vordergründig geht in "Das Schicksal der weißen Pferde", schreibt Mirjam Zimmer. Der Autor habe umfassend recherchiert, Interviews geführt, Dokumente ausgegraben, die verloren geglaubt waren. Anhand des umfangreichen Materials verfolge er den Weg der Pferde vom Hof der Aristokraten zu den Hinterhöfen der Diktatoren. Ein schöner Vergleich der Rezensentin: Westerman bediene sich der Methode Columbo. Ganz beiläufig stelle er seine Fragen nach den Lipizzanern - und nur scheinbar kommen sie unschuldig daher. Die Rezensentin kommt bei den vielen Sprüngen durch Zeit und Raum allerdings nicht immer ganz mit, ebenso bei den Argumenten des Autors: etwas zu unbedarft gehe dieser stellenweise mit heiklen Begriffen wie "Rasse" um. Dafür ist Zimmer die menschliche Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts dann doch zu präsent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.03.2012

Das Buch über Lippizaner kommt nur scheinbar harmlos daher, meint Thomas Medicus. In Wirklichkeit liest er in Frank Westermans Buch dann aber viel über eine düstere Phase der europäischen Geschichte und ist fasziniert wie gut die Beschreibung der Lipizzanerzucht zu dem Paradigma der Rassenreinheit im 20. Jahrhundert passt, auch wenn er nicht jeden Vergleich des Autors gelten lassen möchte. Das Buch empfiehlt er als "unbedingt lesenswert", bemerkt aber, dass eine dichte historische Beschreibung sinnvoller gewesen wäre als der Reportagestil, den Westerman gewählt hat und womöglich einige unnötige Ausschweifungen erspart hätte.
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