Auch nach der Wahl 2025 steht die Bundesrepublik vor großen Herausforderungen. Deutschland steckt in einer ernsten Krise - politisch, gesellschaftlich und international. Der Historiker Frank Trentmann zeigt in historisch vergleichender Perspektive, wie es so weit kommen konnte. Damit gelingt es ihm, Deutschlands Stärken und Schwächen offenzulegen und Chancen für eine bessere Zukunft der Nation aufzuzeigen. Sein Fazit: Wir können uns mehr zumuten und mehr zutrauen, als wir glauben - die Lage ist ernst, aber nicht aussichtslos.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025
Sehr gemischt blickt Rezensent Matthias Alexander auf dieses Buch des in London lehrenden Historikers Frank Trentmann, der darin auf die Vielzahl politischer und ökonomischer Selbstblockaden in Deutschland blickt. Positiv rechnet Alexander dem Autor die nüchternen, differenzierten und teils brillanten Analysen an, mit denen Trentmann auf die Themen Brandmauer, Migration, Bürokratie und mentale Ermattung blickt. Doch den "plausiblen und unideologischen" Betrachtungen stünden leider nur wohlfeile Lösungsvorschläge gegenüber: Mehr Mut, mehr Dialog, mehr Teilhabe? Das hört der Rezensent auf jeder zweiten Parteitagsrede. Das passt nicht zu dem unbescheidenen und für einen Wahlbriten recht ironiefreien Auftreten, befindet der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.11.2025
Rezensent Eckart Conze liest den Essay des Historikers Frank Trentmann nicht als zeithistorische Darstellung seit 1945. Wenn der Autor das erfolgsgeschichtliche Narrativ der Deutschen hinterfragt, betreibt er auch weniger Gegenwartsdiagnostik, meint Conze, sondern schaut "mit historischem Blick nach vorn". Conze muss sich an das aufgerufene und mobilisierte "Wir" im Text erst gewöhnen, dann stellt er fest, dass der Autor dialektisch doch wieder beim Erfolgsnarrativ landet. Ob der Blick zurück uns für die Zukunft hilft, bleibt für Conze auch nach der Lektüre fraglich.
Rezensent Martin Hubert nimmt den Appell des Historikers Frank Trentmann zum Umdenken weg vom Krisenmodus gerne an, nur wohin das Umdenken führen soll, wird ihm nicht ganz klar bei der Lektüre. Der Autor relativiert die Krisen der Bundesrepublik, von der wirtschaftlichen Stagnation über die Ungleichheit und den Rechtsruck bis zur Migrationsdebatte, indem er historische und internationale Vergleiche anstellt. An Gewicht verlieren sie dadurch allerdings nicht wirklich, findet Hubert. Die Vergleiche im Buch erscheinen ihm dennoch vielfältig. Und zum Nachdenken regen sie ihn immerhin auch an.
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