Angesichts der wachsenden Bedeutung der Tourismus- und Freizeitindustrie entwickeln sich die Zentren vieler großer Städte zu inszenierten Einkaufs- und Unterhaltungsbereichen. Bei deren Gestaltung und Organisation dienen häufig die Disney-Themenparks als Vorbild. Dies nutzt die Walt Disney Company, um nun auch selbst in den Stadtplanungssektor in den USA zu expandieren. Disney ist die treibende Kraft des derzeit bedeutendsten Stadterneuerungsvorhabens in den USA, dem Umbau des New Yorker Rotlichtquartiers Times Square zu einem familienfreundlichen Unterhaltungsviertel. Gleichzeitig erschließt sich der Entertainmentkonzern eine führende Position auf dem wachsenden Markt suburbaner "neotraditioneller" Projekte mit dem Bau der Siedlung Celebration in Florida. In der gestalterisch an eine Kleinstadt des 19. Jahrhunderts erinnernden Gemeinde lassen sich die 20.000 Einwohner ihr Alltagsleben vom Unterhaltungskonzern organisieren. Diese Kombination aus historisierender Inszenierung und modernem Serviceangebot wird in dem Buch als Weg der Städte in die Freizeit- und Dienstleistungsgesellschaft untersucht.
Harald Fricke bespricht eine Studie des "Architektursoziologen" Frank Roost, die sich mit der "Disneyfizierung der Städte" befasst. Gemeint ist die Stadtplanerfantasie, öffentlichen Raum nicht wachsen zu lassen, sondern möglichst komplett neu anzulegen. Der Autor zeigt, so der Rezensent, dass diese Vision, die vor allem in Freizeitparks von Disney annähernd perfekt umgesetzt ist, auch einen "Wunsch nach einer Umgestaltung der US-Gesellschaft" beinhaltet. Die üblichen Spekulationen um Machtansprüche und Szenarien totaler Kontrolle bleiben dabei außen vor, was Fricke als hauptsächliche Stärke des Buchs bezeichnet. An der Entwicklung des New Yorker Times Square gibt das Buch ein Beispiel, wie im Zusammenspiel von Politik, Stadtplanung und dem Engagement des Disney-Konzerns aus der "Reeperbahn Manhattans" das "urban entertainment center" mit "Nike-Stores ... anstelle von Bürotürmen" werden soll. In dezenter Zurückhaltung und fernab jeglicher Spekulation, lobt Fricke noch einmal, legt der Autor mit seinen Fakten zielsicher dar, wohin ein Fortschreiten der "Privatisierung des öffentlichen Raums" letztendlich führen wird. Zur Ergänzung verweist Fricke auf Richard Sennett. Rezensent und Autor sprechen abschließend fast unisono, dass die einzige Antwort auf weitere "soziale Polarisierung und Abgrenzung", die mit den "Freizeit- und Erlebniswelten" lediglich überspielt werde, ein "breiter und vor allem nachhaltiger Diskurs über öffentliche Bauvorhaben" sein kann.
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