Frank Reichherzer

Alles ist Front!

Wehrwissenschaften in Deutschland und die Bellifizierung der Gesellschaft vom Ersten Weltkrieg bis in den Kalten Krieg
Cover: Alles ist Front!
Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn 2012
ISBN 9783506771834
Gebunden, 515 Seiten, 44,90 EUR

Klappentext

Mit der Erfahrung des Ersten Weltkrieges wurde das Verhältnis von Krieg, Militär und ziviler Gesellschaft neu verhandelt. Das Deutungsmuster des "totalen Krieges" und die spezifischen Zeitumstände lieferten den Nährboden für Ideen, die unter dem Stichwort Wehrwissenschaften firmierten und sich nur unzureichend mit den Kategorien eines nach Disziplinen geordneten Wissenschaftssystem begreifen ließen. Die Geschichte der Wehrwissenschaften zeigt, wie die Idee des Krieges sich einmal in den Disziplinen manifestierte, aber auch in inter- und transdisziplinäre Räume und Kontaktflächen zu gesellschaftlichen Teilsystemen diffundierte. Diese umfassende Ausrichtung auf den Krieg ist eine Fallstudie zur "Bellifizierung" der Gesellschaft, denn hier zeigt sich die umfassende Selbstmobilisierung ziviler Akteure in Fragen des Krieges im 20. Jahrhundert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.12.2012

Mit großem Interesse hat Carsten Kretschmann diese Studie gelesen, in der Frank Reichherzer die Entwicklung der Wehrwissenschaft nachzeichnet, die sich ab dem Ersten Weltkrieg aus einer Vielzahl von Disziplinen speiste und mit einer enormen Bellifizierung der Gesellschaft einherging, wie Kretschmann darstellt. Je drückender die Kriegsniederlage und der Versailler Vertrag empfunden wurden, umso größer wurde die Sehnsucht nach Vergeltung, die etwa durch den aufkommenden Wehrsport genährt wurde. Dass sich der Autor auf die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen konzentriert und den Zweiten Weltkrieg wie den Kalten Krieg nur streift, findet der Rezensent offenbar nicht schlimm, er hätte sich aber gewünscht, dass Reichherzer weniger Augenmerk auf innerakademische Konflikte gelegt hätte, stattdessen aber die tatsächliche Machtübernahme der obersten Heeresleitung (Hindenburg und Ludendorff) in der Weimarer Republik behandelt hätte.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…