Aus dem Französischen von Michael Halfbrodt. Das Verhältnis von Ungleichheit und Globalisierung muss in der doppelten Perspektive - national und international - betrachtet werden, um in seiner Komplexität begreifbar zu werden. So steht dem Anstieg nationaler Ungleichheit paradoxerweise eine Abnahme globaler Ungleichheit gegenüber. Bourguignon, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, analysiert diese antagonistischen Effekte der Globalisierung. Mit Blick auf die Schwellenländer ist die Ungleichheit im Weltvergleich geringer geworden: Der Lebensstandard in Brasilien, China oder Indien nähert sich langsam demjenigen der Nordamerikaner und Europäer an. Binnenstaatlich betrachtet sind die Ungleichheiten jedoch in einer nicht geringen Anzahl der Länder eklatant geworden, was zu sozialen Spannungen führen musste. Ohne neue Marktregularien, einer steuerlich indizierten Umverteilung und Gehaltsobergrenzen wird die zunehmende Ungleichheit nicht einzudämmen sein.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 09.10.2013
In der diffus zwischen Bejahung und Entrüstung pendelnden Gemengelage zum Thema Globalisierung greift Rezensent Ingo Arend sehr dankbar zu diesen offenbar sehr klarsichtigen Auseinandersetzungen des Ökonomen François Bourguignon, der, wie Arend schreibt, um starke Differenzierung bemüht ist: So belegt er laut Rezensent, dass die Globalisierung Armut im zwischenstaatlichen Verhältnis zwar durchaus zurückgedrängt hat, auf Seiten der Industrienationen aber eine binnenstaatliche Zunahme von Armut zu beobachten sei. Daher plädiert Bourguignon für eine auf Ausgleichung setzende Politk, legt der Rezensent dar: Mindestlohn, Abgaben auf Kapitaleinkünfte und bessere Bildungspolitik. Diese "nüchterne, empirisch fundierte Bestandsaufnahme mit reformistischer Agenda" zieht Arend der grassierenden, aber orientierungslosen Globalisierungsempörung schlussendlich auch als Vorschlag für ein erstes, konkretes Handeln eindeutig vor.
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