Ford Madox Ford

Zapfenstreich

Roman
Cover: Zapfenstreich
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783821807133
Gebunden, 277 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Joachim Utz. Bewegungslos und unfähig, ein Wort zu sagen liegt Mark Tietjens auf einer überdachten Krankenliege vor Groby Hall, dem Gutshaus der altehrwürdigen englischen Familie. Der Schlag hat ihn getroffen, als er am Tag des Waffenstillstands erfuhr, dass die Alliierten darauf verzichteten, nach Deutschland einzumarschieren, um den Feind endgültig zu besiegen. Aber Frieden und Ruhe findet Mark auch auf dem Krankenbett nicht - die Frau seines Bruders Christopher will den Familiensitz an eine reiche und vulgäre Amerikanerin vermieten; und zwar nur, um ihn zu ärgern und die Familie zu demütigen. Seit Jahren schon führt sie einen erbitterten Ehekrieg gegen ihren Mann, der inzwischen verarmt ist und sich in die Arme einer Geliebten geflüchtet hat. Den letzten und abschließenden Band seiner Tetralogie "Parade's End" erzählt Ford aus der Perspektive des gelähmten Bruders, um den herum die Schlachten und Intrigen toben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2007

Zu Unrecht war das Werk von Ford Madox Ford, der mit vielen bedeutenden Vertretern der Moderne bekannt war, fast vergessen, weshalb Katharina Döbler umso erfreuter ist, dass nun mehrere Bücher Fords endlich auf Deutsch greifbar sind, darunter der vierte Teil seiner Roman-Tetralogie "Ende der Paraden". Hatten die vorhergehenden Bände vom Ersten Weltkrieg und dem konservativen Gentleman Christopher Tietjens von Groby erzählt, der an den Konventionen festzuhalten sucht, während er sich seiner Frau entfremdet und eine Geliebte hat, wird in "Zapfenstreich" in den wechselnden Erzählperspektiven seines sterbenden Bruders, seiner Frau, seiner Geliebten und einiger anderer die Familiengeschichte noch einmal aus Sicht der jeweiligen Figur rekapituliert, erklärt die Rezensentin. Sie findet, dass Fords Diagnose einer sich in Auflösung befindlichen Gesellschaft sehr an Virginia Woolfs Gesellschaftsbild erinnert und erkennt im Roman einen Abgesang auf "patriarchale Privilegien". Während sie von der kunstvollen Anlage des Buches, in dessen Plot sie auch einiges Autobiografisches vermutet, fasziniert ist, kommt ihr das sehr auf Harmonie bedachte Ende von "Zapfenstreich" dann allerdings etwas gewollt vor und sie hat den Eindruck, dass der Autor seine Figuren in eine Haltung gezwungen hat, die ihnen nicht ganz gerecht wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2007

Eigentlich wollte Ford Madox Ford gar nicht mehr schreiben, hat aber auf allgemeines Drängen doch noch den vierten Teil seiner Familiengeschichte der Tietjens geschrieben, der nun - "endlich"! - nach 80-jähriger Verspätung auch auf Deutsch vorliegt, jubelt Tobias Döring. Es ist ein Abgesang auf den englischen Landadel und "schöner" ist der Niedergang einer Familie wohl noch nie beschrieben worden, schwärmt der Rezensent. Der Autor erzählt aus Sicht des durch einen Schlaganfall verstummten und ans Bett gefesselten, todkranken Mark Tietjen, und durch dieses Bewusstsein gefiltert erscheinen die Querelen der Familienmitglieder, die in einem Zeitraum von ein paar Stunden geschildert werden, in einem besonderen, endzeitlichen Licht, erklärt der Rezensent fasziniert. Indem er aus dieser zwangsweise stillstehenden Perspektive von einer "Eskalation" berichtet, zeigt sich die ganze Meisterschaft Fords, preist Döring, den die zugleich aus nächster Nähe und mit Abstand geschilderte untergehende Welt des englischen Landadels unterhält und erstaunt. Auf jeden Fall handelt es sich bei diesem Roman, der mit seiner zurückhaltenden "Ironie" überzeugt und kaum je sentimental wird, um ein großartiges Lesevergnügen, so der Rezensent hingerissen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.10.2007

Eine lohnende Lektüre sieht Karl-Markus Gauß in Ford Madox Fords Roman "Zapfenstreich", der seine Tetralogie über den Ersten Weltkrieg abschließt. Gleichwohl plädiert Gauß für etwas mehr Nüchternheit und Realismus im Lager der Kritiker. Allzu euphorisch fielen für seinen Geschmack nämlich die Lobeshymnen aus, die auf die ersten drei Romane angestimmt wurden. Auch die Vergleiche der Kritikerkollegen, die Ford in einer Liga mit durchaus unterschiedlichen Autoren wie Joyce und Proust, Ezra Pound und Joseph Conrad, Ernest Hemingway und Karl Kraus sahen, scheinen ihm wenig angemessen und hilfreich. Gauß attestiert dem Autor aber, die Perspektiven auf "ästhetisch kühne Weise" zu wechseln und die Geschehnisse aus den vorangegangenen Büchern nochmal zu erzählen, sie anders zu beleuchten, zu ergänzen und zu kommentieren. So resümiere "Zapfenstreich" die Geschichte der einzelnen Gestalten seit dem Ende des Kriegs und der alten Ordnung Englands. Gauß würdigt Ford als "sympathischen und respektablen Autor", ihn zum "literarischen Titanen" der Weltliteratur zu erheben, fällt ihm aber nicht ein.
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