Andrea Levy

Eine englische Art von Glück

Roman
Cover: Eine englische Art von Glück
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783821857725
Gebunden, 554 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Voller Optimismus und der Hoffnung auf ein besseres Leben im Mutterland kehrt der Jamaikaner Gilbert 1948 nach London zurück, der Stadt, in der er während des Krieges als Held galt. Dort muss er feststellen, dass er ohne die blaue Uniform der Royal Air Force als Farbiger ein Mensch zweiter Klasse ist. Unterschlupf finden er und andere Jamaikaner im tristen Earls Court bei Queenie, einer ebenso herzlichen wie attraktiven Weißen, deren Mann Bernhard nicht aus dem Krieg zurückgekommen ist und die einige Zimmer gegen ein paar Pfund an Emigranten vermietet - sehr zum Ärger der Nachbarn. Aber Gilbert hat noch ein anderes Problem: seine ihm in Jamaika angetraute Frau Hortense, die voller hochfliegender Träume und mit einem Koffer eleganter Kleider nach England gereist ist und jetzt vor seiner Tür steht - fassungslos über die Schäbigkeit des Zimmers, voller Verachtung für ihren Mann und wild entschlossen, dem Mutterland zu zeigen, was für eine hervorragende Lehrerin sie ist...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2007

Irene Binal lässt sich von den atmosphärischen Schilderungen von Andrea Levys Einwanderergeschichte gefangen nehmen. Das jamaikanische Ehepaar Gilbert und Hortense erhofft sich in London kurz nach dem Krieg ein besseres Leben als in ihrer Heimat, erlebt dann aber eine Kette von Enttäuschungen und muss zudem mit dem Rassismus seiner Umgebung leben. Gespiegelt wird das Schicksal der beiden im Vermieterehepaar Queenie und Bernhard, erklärt die Rezensentin, für die sich dadurch, dass jede der vier Figuren als wechselnder Erzähler auftritt, ein spannungsreiches, alle Facetten abdeckendes Panorama der englischen Gesellschaft und dem Einwandererleben ergibt. Levy, selbst Kind von jamaikanischen Einwanderern, kennt sich in beiden Kulturen, in der englischen wie der jamaikanischen, bestens aus, betont die Rezensentin, die von der Fähigkeit der Autorin, sich in beide Seiten einzufühlen, sehr eingenommen ist. Begeistert ist sie auch von der Übersetzerleistung Bernhard Robbens, dem es gelingt, den unterschiedlichen Sprachduktus der vier Erzähler überzeugend und einfallsreich ins Deutsche zu bringen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.07.2007

Sehr eingenommen zeigt sich Hans-Peter Kunisch für Andrea Levys Roman über den aus dem Zweiten Weltkrieg nach London heimgekehrten Kriegsheld Gilbert, der als Jamaikaner mit den rassistischen Vorurteilen im englischen Mutterland zu kämpfen hat. Überzeugend scheint ihm nicht nur die souveräne Verschränkung von vier Lebensgeschichten - neben Gilbert und dessen ebenfalls aus Jamaika stammender Frau, einer gebildeten Lehrerin, stehen Gilberts Londoner Vermieterin Queenie und ihr rassistischer Mann Mr. Bligh im Zentrum des Romans -, sondern auch Levys authentische Schilderung der verschiedenen Milieus und ihre Erzählweise. So lobt Kunisch den Roman als "anschaulich-sinnlich und analytisch zugleich erzählt". Dabei bescheinigt er der Autorin, Gegensätze nicht zu verniedlichen, sondern präzise und bedächtig darzustellen. Anerkennend äußert sich Kunisch auch über die Übersetzung von Bernhard Robben, dem es gelinge, die Eigenarten aller vier verschiedenen Erzählerstimmen, Hortense, Gilbert Joseph, Queenie einzufangen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.03.2007

Angesichts dieses Romans ist postkoloniale Literatur nur ein Wort, findet Margret Fetzer. Das Reizvolle des Textes von Andrea Levy besteht für sie in der Kreuzung der jamaikanischen und der britischen Perspektive. Dem Unverständnis der Figuren untereinander setzt Fetzer die für den Leser enstehende "humorvolle" panoramische Sicht entgegen, die das Geschehen und Verhalten im Text "ganz neu" erklärt. Die Kluft zwischen den Figuren, den Kulturen und Geschlechtern aber sieht Fetzer nur noch deutlicher, wenn sie die individuellen Geschichten auch für ebenso gültig hält.
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