Aus dem Slowenischen von Johann Strutz. Im vorliegenden Band der Werkausgabe wird mit der Regenprozession nun auch der letzte noch unübersetzte Roman auf Deutsch herausgebracht, zusammen mit einer Auswahl der frühen Kurzprosa sowie der essayistischen und polemisch-satirischen Schriften, größtenteils aus dem Kontext der von Lipus mitbegründeten und über zwanzig Jahre lang geleiteten Literaturzeitschrift mladje. Auch die kürzeren Prosatexte sind Dokumente der Brillanz seiner sprachkünstlerischen Gestaltung an der Schnittstelle zwischen Engagement und Ästhetik. So öffnet die romaneske Darstellung eines "verspäteten" dörflichen Hexenprozesses - im Roman "Die Regenprozession" - in beklemmender Weise den Blick auf andere, durchaus gegenwärtige Akte der Repression, Zurichtung und Auslöschung nicht nur des unangepassten oder auch blindlings zum Opfer gemachten Subjekts. Dieser und ebenso die kleineren Texte beschränken sich nicht auf die Abrechnung mit den schauerlichen Exzessen des christlichen Fundamentalismus und kirchlichen Totalitarismus, die Erduldung nationalistischer Repression und Arroganz der Obrigkeiten. Die Sprache dieser Texte und Miniaturen zieht sämtliche stilistischen Register - ruhig fließende Passagen von beharrlicher Klassizität ebenso wie die harte Fügung der regionalen Groteske, des ironischen Sprachspiels, Rap und Rhapsodie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2008
Der 1937 geborene Autor Florjan Lipus lebt als Slowene in Kärnten und ist auch als Autor im Kulturbetrieb eher randständig geblieben. Zum 70. Geburstag spendiert ihm sein Verlag nun eine Werkausgabe, in deren Rahmen dieser Band mit früheren Texten erscheint. Die waren bisher nur auf Slowenisch erschienen und der Rezensent Uwe Stolzman staunt, wie "frisch" sie heute noch wirken. Der gewichtigste Text ist der ursprünglich 1987 Kurzroman "Die Regenprozession", in dem der Autor einen "Hexenprozess" auf dem Lande schildert. Lipus beschreibt das ganz kompromisslos und Stolzmann ist geradezu "schockiert", wie nahe die Gnadenlosigkeit der Kirche hier dem Wirken "moderner Diktaturen" gerückt scheint. "Welcher Zorn, welche Radikalität!" ruft er da aus und konstatiert, dass Lipus derart scharfe Texte heute nicht mehr verfasst.
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