Karl H. war weder Deutscher noch Österreicher, auch kein Jugoslawe. Und doch war er in seinem Leben alles das, wie es der Zufall der Geschichte eben wollte. Seine Geschichte beginnt zwischen den Kriegen, im ehemaligen Kronland Steiermark, im neuen Königreich Jugoslawien, im heutigen Slowenien. Von dort aus verschlägt es ihn: nach Kaprun, Triest, Sarajewo, nach Jahren in Uniform als Dolmetscher bei Partisanenverhören wieder zurück nach Salzburg. Karl H. war kein Nazi, aber auch kein Kritiker. Was war er dann? Ein Mann, der durch das 20. Jahrhundert stolperte. Ein Vater, ein Rätsel für seinen Sohn.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.01.2012
Nicht unbedingt mit Begeisterung, aber mit Interesse hat Wulf Segebrecht diesen Roman des Grazer Arztes Albert Holler gelesen, der darin die Geschichte seines Vaters erzählt. Karl Holler, als Angehöriger der deutschen Minderheit in Slowenien geboren, schwärmte für Deutschland und erlebte stolz die Einweihung eines Kraftwerks durch Göring, verhörte für die Wehrmacht Partisanen und bekam dafür das Eiserne Kreuz, will aber den Gefangenen eigentlich geholfen haben. Nach Einschätzung des Rezensenten war der Mann also kein Täter, auch nicht gerade ein Opfer, kein Mitläufer und kein Held. Segebrecht nimmt ihn als "Überlebenden", über den sein Sohn ein Buch ganz ohne "debütantenhafte Allüren" geschrieben hat.
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