Mit zahlreichen Schwarzweiß-Abbildungen. Der Erzähler lässt den Journalisten Simon Goldin zu Beginn von Glasnost und Perestroika in die UdSSR reisen, um nach Lebenszeugnissen deutscher Kommunisten in den 1930er Jahren zu suchen. Seine russlanddeutsche, nach einem Unfall erblindete Übersetzerin Theodora Minzenberg ist ihm dabei behilflich. In Archiven stoßen die beiden auf einen Feuilletonisten namens Raimar Rilke, der einst - aus eher sentimentalen denn politischen Gründen - in die stalinistische Sowjetunion emigriert ist. Als unbedarfter Wiedergänger des Dichters Rainer Maria Rilke, der bereits um 1900 an denselben Orten zugange war, fällt Raimar Rilke einer ebenso abstrusen wie tragischen "Säuberungsaktion" zum Opfer. In dreifacher zeitlicher Überblendung - 1900, 1930, 1990 - treten Goldin und Rilke in ein ingeniöses Wechselspiel der Identitäten, das Privates und Zeitgeschichtliches, Fiktives und Dokumentarisches immer wieder anders zusammenführt. Die durch eine selbständige Bilderstrecke ergänzte Erzählung findet in Basel ihr offenes Ende.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.11.2018
Paul Jandl wird fast irre an diesem Roman von Felix Philipp Ingold. Wenn der Autor in die Szene der deutschen Exilliteratur im Sowjetrussland der 30er eintaucht, versteht er erstmal nicht viel. Vergessene Dichter tauchen auf und ein rätselhafter Doppelgänger des Autors, der im Auftrag der "FAZ" in Moskau den Hitler-Stalin-Pakt erforscht, alles fein gebaut als hermeneutisches Spiegelspiel, so Jandl, der erkennt, dass in diesem Buch die Wahrheit mehr mit Kunst zu tun hat als mit dem Leben. Der allegorische Roman besticht laut Rezensent durch Witz, Sinn und Sinnlichkeit.
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