Aus dem Persischen von Parwin Abkai. Eine Stadt im Iran, voller Stimmen und Gerüche. Eine junge Frau wird von ihrem Ehemann bedrängt, nach Kanada auszuwandern. Als Amir sie verlässt, bleibt sie mit ihren zwei Kindern zurück. Mit aller Macht versucht sie, die Anforderungen des Alltags und die Gespenster der Vergangenheit zu bewältigen: die Konflikte mit der zänkischen Mutter, den einsamen Tod des Vaters, die Erniedrigungen durch den Ehemann. Schonungslos und jenseits aller klischeehaften Orientalismen lässt Fariba Vafi die Ich-Erzählerin von der Auflösung ihrer Welt erzählen. Zwischen Küche und Keller - dem allegorischen Gefängnis der jungen Iranerin - öffnet sich ein Raum für die ehrliche Auseinandersetzung mit dem Selbstverständnis der Frauen im heutigen Iran.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2012
Die Fragen, die in "Kellervogel" mitschwingen, findet die Rezensentin Sabine Berking spannend und ungewöhnlich: Kann man in einer Diktatur glücklich werden? Ist es feiger zu gehen oder zu bleiben? Ist Freiheit wirklich alles? In ihrem Romandebüt untergräbt die iranische Schriftstellerin Fariba Vafi die meisten Klischees vom "archaischen Gottesstaat", meint Berking, auf den ersten Blick könne man die Szenerie kaum von einer "westlichen Metropole" unterscheiden: Die Erzählerin ist reichlich beschäftigt mit ihren demenzkranken Eltern, zwei Kindern und einer kriselnden Ehe. Der Subtext ist aber entschieden politisch: Sie ringt mit ihrem Mann und sich selbst, ob sie den Iran verlassen sollten oder nicht, fasst die Rezensentin zusammen. Es geht um die Entscheidung zwischen dem ungeliebten Vertrauten und der ungewissen Freiheit: in der Hand ein kranker Spatz, auf dem Dach eine fadenscheinige Taube. Berking ist überzeugt, dass dieses Buch nicht nur Menschen berührt, die selbst eine Diktatur erdulden mussten.
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