Aus dem Persischen von Susanne Baghestani. Angefahren mitten in Isfahan, weil er Frauen hinterhergeschaut hat, in Gedanken bei seiner Jugendliebe ist. Blutend liegt der Schlagerkomponist auf der Straße und starrt in den Himmel. Muß ich sterben? Warum nicht? Aber noch belästigen ihn die Gegenwart in Gestalt seiner mißgünstigen Schwester und Erinnerungen an die Freundin, nach der er sein bestes Lied nannte. Sie wies ihn ab, und er rächte sich dafür an seiner Frau.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.05.2005
Stefan Weidner macht sich Sorgen um die Seelenverfassung der Iraner, nachdem er Fattaneh Haj Seyed Javadis Erzählungsband "In der Abgeschiedenheit des Schlafs" gelesen hat. Immerhin hat er den Eindruck gewonnen, die Iranerinnen würden sämtlich "betrogen, missachtet, verkannt". Und für die Iraner sieht es offenbar nicht sehr viel besser aus. Sie erscheinen als "Opfer ihrer vermeintlichen Ehre und der patriarchalischen Gesinnung". Kurz, manchmal schrammt Frau Javadi nur knapp am Klischee vorbei. Gleichwohl hat der Rezensent sich gut unterhalten. Manche Erzählungen, beispielsweise die letzte des Bandes, findet er hervorragend, alle aber jedenfalls interessant. Neue Einsichten eröffnen sich dem westlichen Leser. Die Autorin, deren erster Roman - "Morgen der Trunkenheit" - ein Bestseller war, geht kritisch mit ihrer Gegenwart um. Am gelungensten findet Weidner diesen Blick immer dann, wenn aus der Perspektive der Männer über die Frauen berichtet wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2004
Acht Texte stellt die Iranerin Haj Seyed Javadi in ihrem Erzählband vor, die Angela Schader zufolge motivisch miteinander verwandt und verbandelt sind. Fast immer geht es um Liebe und Verrat, so Schader, um die (nicht immer gegebene) Symmetrie von Liebes- und Verwandtschaftsbeziehungen, um die Alchemie von Kinderfreundschaften, um Fehlentscheidungen und vergebliche Versuche der Revision, das alles in einem unaufgeregten Ton, der eine "unauffällige Oberfläche" erzeuge. Doch unter der Oberfläche brodelt es, die berichteten häuslichen Missverhältnisse und Missverständnisse erzeugten ein literarisch gut gemeistertes Spannungsverhältnis, das "scharfe Schlaglichter", so Schader, auf die gesellschaftlichen Verhältnisse im Iran werfen würde. Die Rezensentin ist allerdings auch der Meinung, dass Haj Sayed Javadi das Unbehagen und die Lähmung in der iranischen Gesellschaft nicht wirklich thematisiert, sondern letztlich "eher totschweigt". Dennoch beweist Javadis Erzählband ihres Erachtens ein hohes Maß an literarischem Können und thematischer und stilistischer Geschlossenheit.
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