Evangelia Kelperi

Die nackte Frau in der Kunst

Von der Antike bis zur Renaissance
dtv, München 2000
ISBN 9783423307932
Taschenbuch, 185 Seiten, 12,53 EUR

Klappentext

Es gab Zeiten, da nackte weibliche Körper noch nicht allerorten auf öffentlichen Plakatwänden, sondern allenfalls in Museen als Kunstwerke betrachtet werden konnten. Allerdings war auch dies nicht immer unumstritten. Noch 1891 wurde im Zuge der Forderung nach verschärften Sittengesetzen anläßlich eines Mordprozesses in Berlin auch die Darstellung der Nacktheit in der Kunst zum Feind der Sittlichkeit erklärt. Doch schon im klassischen Altertum gab es nicht nur Freizügigkeit, sondern auch Perioden, in denen ehrbare Frauen ausschließlich bekleidet und nur die Körper von Hetären oder Opfern in - meist mythologischen - Gewaltszenen entblößt abgebildet werden durften. Evangelia Kelperi beleuchtet in ihrem Streifzug durch die Kunstgeschichte den Wandel in der Darstellung des nackten Frauenkörpers unter dem Aspekt der gesellschaftlichen und kulturgeschichtlichen Entwicklungen, und es ist immer wieder spannend zu sehen, in welchem Maße die Kunst soziokulturelle Verhältnisse widerspiegelt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.02.2001

Aufschlussreich findet Franz Zelger die Abhandlung von Evangelia Kelperi über nackte Frauenkörper. Die kunsthistorische Studie zeige eindrücklich, wie die Darstellung der nackten Frau in verschiedenen Epochen deren gesellschaftliche Verhältnisse und kulturgeschichtliche Entwicklungen widerspiegele, so der Rezensent. Etwa im Neolithikum und in der frühen Bronzezeit, als Bauch und Vulva hervorgehoben wurden - eine Vermittlung zwischen Unterwelt, der Welt der Ahnen und der der Lebenden, berichtet der Rezensent. Oder in der griechischen Antike, als die Frau ohne Geschlechtsorgane abgebildet wurde - Zeichen einer ganz anderen gesellschaftlichen Interpretation der weiblichen Geschlechterrolle. Gemeinsam sei allen Abbildungen, egal in welcher Epoche, ein ethisch-sozialer Konflikt. Anziehungskraft und Verachtung - zwischen diesen Polen lassen sich sämtliche Darstellungen verorten, resümiert Zelger.
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