Ingo Schulze

Tasso im Irrenhaus

Erzählungen
Cover: Tasso im Irrenhaus
dtv, München 2021
ISBN 9783423282390
Gebunden, 160 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Drei Geschichten über die Kunst, das Leben und die verrückte bürgerliche Gesellschaft: Ein Schriftsteller-Dissident flieht aus der Öffentlichkeit, um sein Leben zu retten. In der Installation 'Das Deutschlandgerät' findet er ein Muster, um die Gegenwart zu deuten."Immer wenn man etwas weiß, gibt es gleich wieder etwas, das man nicht weiß." Mit dieser Behauptung verwickelt ein Schweizer Verleger unseren Erzähler vor Delacroix' 'Tasso im Irrenhaus' in ein ambivalentes Gespräch, das für einen Moment seltener Klarheit sorgt.Und in einem Berliner Hospiz hält der Maler Grützke fröhlich Hof, womit er die ängstlichen Besucher überrascht und ihnen Stunden von glücklicher Intensität beschert. Die Kunst und das Leben: tragisch und komisch, abgründig und heiter. Wirft uns das eine virtuos aus der Bahn, setzt uns die andere wieder aufs Gleis. Oder ist es umgekehrt?

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.07.2021

Rezensent Jörg Magenau erlebt in Ingo Schulzes drei Erzählungen hautnah den Wundertütencharakter der Kunst. Dass Kunstgenuss eine Frage der Wahrnehmung und des Austauschs ist, illustrieren der Autor und sein Erzähler laut Magenau in allen drei Fällen eindrucksvoll. In der dritten und für Magenau überzeugendsten Geschichte erfolgt die Auseinandersetzung über Kunst am Totenbett des Malers Johannes Grützke. Manchmal etwas zu planvoll gemacht, doch in jedem Fall lesenswert findet der Rezensent diese älteren, vom Autor überarbeiteten "Kunst-Stücke".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2021

Rezensent Helmut Böttiger schätzt die Verwirrung, in die ihn die hier versammelten Texte von Ingo Schulze stürzen. Das Spiel mit Realien des Kunst- und Kulturbetriebs und Imaginiertem beherrscht Schulze laut Böttiger vorzüglich. So begegnet ein Ich-Erzähler im Buch einem Autor, in dem Böttiger Attribute des Schriftstellers Jurek Becker zu erkennen meint. Der Erzähler selbst ähnelt laut Böttiger dem Schriftsteller Ingo Schulze. Voller "Fallstricke" dieser Art sind auch die anderen beiden Texte, warnt Böttiger, der Leser kann sich nie sicher sein. Über die Verbindungen zwischen Kunst und Leben lässt sich in den Geschichten allerdings einiges in Erfahrung bringen, meint er.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.06.2021

Rezensent Hubert Winkels kann sich ein leises Seufzen nicht verkneifen. Die drei zwar schon älteren, aber überarbeiteten Texte von Ingo Schulze, die dieser Band versammelt und in denen sich Schulze jeweils Kunstwerken von Reinhard Mucha, Johannes Grützke und Delacroix nähert, bestechen laut Kritiker zwar durch elegante Kunstbeschreibungen und das Vermögen des Autors, die Werke in den Erzählungen geschickt zu arrangieren. Aber Schulzes alle drei Texte durchziehende Kritik an der Rezeption der Ex-DDR im Westen gerät dem Rezensenten schlicht zu flach. Ohne den "groben Politknüppel" hätte Winkels diese Kunstmeditationen gern uneingeschränkt empfohlen.

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