Otl Aicher (1922 -1991) war der wohl einflussreichste Gestalter der Nachkriegszeit in Westdeutschland. Er schuf die Erscheinungsbilder für die Olympischen Spiele 1972 und wichtiger deutscher Unternehmen wie Braun, Lufthansa, ERCO und zahlreicher Banken. Als Mitbegründer und Rektor der wegweisenden Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG) war er Lehrer einer ganzen Generation von Grafik-Designern. Prägend für sein lebenslanges politisches Engagement war Aichers Verbindung mit dem Widerstandskreis Weiße Rose; die Schwester der hingerichteten Geschwister Scholl, Inge Aicher-Scholl, wurde seine Lebensgefährtin. Für diese erste kritische Biografie sprach Eva Moser mit Weggefährten, Familienmitgliedern, Auftraggebern, Freunden. Ihr Text wird ergänzt um Fotos aus dem familiären und beruflichen Umfeld sowie um ausgewählte Beispiele von Aichers Gestaltungsideen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2012
Dass der Mann mehr war als ein Grafiker, dass er mit seinen Sportpiktogrammen, Schriften und Entwürfen von Firmenlogos und Corporate Identities Designgeschichte schrieb, weiß Andrea Reidt spätestens nach Lektüre dieser ersten Otl-Aicher-Biografie. Der Autorin Eva Moser bescheinigt sie ein überraschend kritisches Verhältnis zu dem in mannigfachen Zeugnissen überlieferten Leben und Schaffen Aichers, zu seinem Stolz und seinen inneren Widersprüchen. Kindheit, Ausbildung, Arbeitsalltag des international gefragten Designers - Reidt wird darüber erschöpfend informiert. Nur die achtziger Jahre, die Spätphase des Meisters, kommt ihr etwas zu kurz in diesem Band.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2012
Wolfgang Jean Stock findet Eva Mosers Band ausgesprochen beherzt, denn Otl Aicher, der "bedeutendste deutsche Gestalter" der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war für ihn eine höchst widerspruchsreiche Persönlichkeit. Das Ergebnis überzeugt ihn dann auch über weite Strecken durch Lebendigkeit und vor allem kritische Distanz, wie er erfreut betont. Denn er sieht den offensichtlich auch von ihm selbst sehr bewunderten Aicher nicht nur als brillanten Gestalter, sondern eben auch als mitunter schwierigen Menschen packend und eindrücklich beschrieben und findet hier so manche Selbstauskunft "kräftig gegen den Strich gebürstet", wie der Rezensent anerkennend bemerkt. Die Buchgestaltung betrachtet er ebenfalls mit Wohlwollen, wobei dem Meister wohl missfallen hätte, dass die von Aicher gepflegte Kleinschreibung zugunsten einer leserfreundlicheren Schreibweise aufgegeben wurde, wie Stock zustimmend feststellt. Abgesehen von "peinlichen Druckfehlern" hat der Rezensent noch zu bemängeln, dass die Autorin bisweilen etwas zu akribisch von einzelnen Auftragsarbeiten und deren Kontext erzählt und Geduld und Aufmerksamkeitsspanne ihrer Leser damit mitunter überfordert. Dafür sieht Stock aber hervorragend die Wurzeln für Aichers widersprüchliche Persönlichkeit herausgearbeitet, die für Moser zum einen in dessen katholischem Glauben, zum anderen in seinen Erfahrungen im Nationalsozialismus gründen.
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