Eva Madelung, Joachim Scholtyseck

Heldenkinder, Verräterkinder

Wenn die Eltern im Widerstand waren
Cover: Heldenkinder, Verräterkinder
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406563195
Gebunden, 308 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Nicht nur die Kinder der Täter des NS-Regimes, sondern auch die der Opfer haben eine schwere Last mit sich herumgetragen. Die in diesem Buch versammelten Lebensgeschichten dokumentieren die tiefgreifenden Probleme der Folgegeneration, mit der schwierigen Erbschaft der Eltern umzugehen. Behutsam werden in den vorliegenden Interviews die seelischen Wunden aufgedeckt und ihre Ursachen hinterfragt. Die Autoren dieses Bandes haben mit Menschen gesprochen, deren Eltern im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv waren. Die Kinder von Eltern aus dem militärischen, liberalen, konservativen, kommunistischen oder kirchlichen Widerstand legen in den hier vorliegenden Interviews eindrucksvoll Zeugnis ab von ihrer Geschichte und der ihrer Eltern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.01.2009

In zweierlei Hinsicht ein Gewinn ist diese Sammlung von Stimmen für die Rezensentin Elke Nicolini: zum einen wegen des interdisziplinären Ansatzes der Herausgeber (eines Historikers und einer Psychologin), zum anderen, weil die Kinder von Nazi-Gegnern in der Forschung bislang kaum berücksichtigt worden seien. Überdies würden mögliche methodische Schwachstellen dieses Ansatzes durch die Herausgeber selbst reflektiert. Der Rezensentin zufolge handelt es sich um eine Reihe von Interviews mit Nachkommen von Widerständlern aus verschiedenen Gruppen. Trotz aller Unterschiede scheint vielen der Befragten ein Gefühl der Fremdheit in der Nachkriegsgesellschaft gemeinsam zu sein, das sie Verständnis am ehesten unter ihresgleichen finden ließ. Und in der Untersuchung des unterschiedlichen Umgangs mit dem Widerstand in der DDR und in Westdeutschland sieht Nicolini auch ein Desideratum der Geschichtswissenschaft.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.12.2007

In einzelnen Aspekten immer wieder interessant, insgesamt jedoch eher durchwachsen findet Rezensentin Gabriele von Arnim diesen Band mit Gesprächen, die eine Familientherapeutin und ein Historiker mit 15 Kindern von Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus führten, und zwar aus militärischem, konservativem, aristokratischem, christlichem und kommunistischem Widerstand. Denn so sehr sich manche Sätze und Symptomatiken immer wieder beim Lesen "einbrennen", leide das Buch aus ihrer Sicht an der Grundproblematik, dass Kinder von interessanten Eltern nicht per se selbst interessante Menschen seien, oder etwas zu sagen hätten. Auch scheint ihr manches, was hier dem Widerstandshintergrund zugeordnet wird, doch eher Phänomen des guten alten Generationskonflikts zwischen Eltern und Kindern zu sein. Und außerdem stellt sie mal wieder "mit Schrecken" fest, dass der Mord an den europäischen Juden als Grund für den Widerstand gegen Hitler kaum eine Rolle spielte.
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