Eva Horn

Zukunft als Katastrophe

Cover: Zukunft als Katastrophe
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783100168030
Gebunden, 480 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Unsere Gegenwart gefällt sich darin, Zukunft als Katastrophe zu denken, in Kino, Wissenschaft und Literatur. Eva Horn geht der Geschichte und den Motiven dieses modernen Katastrophenbewusstseins nach. Sie legt dabei die biopolitischen Konflikte frei, die in den Untergangsszenarien von der Verdunklung des Globus über den Atomtod bis zum Klimawandel ausgetragen werden. Sie zeigt aber auch, wie in den Rufen nach Sicherheit und Prävention Fiktionen wirksam sind, die man als solche begreifen und analysieren muss. Die künftige Katastrophe zu entziffern bedeutet nämlich immer, eine Geschichte schon zu Ende zu erzählen, die sich erst noch ereignen soll.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.09.2014

Mit Arno Schmidts letztem Menschen geht Philipp Theisohn das Buch von Eva Horn an und stellt fest: Vorstellungen von der Zukunft, wie sie Literatur und Film anbieten, sind eine durch und durch widersprüchliche Sache. Etwa, da wir beobachten und untergehen zugleich. Dass die Autorin sich mit Leidenschaft diesen Widersprüchen annimmt, findet der Rezensent respektabel. Ressourcenknappheit, Kannibalismus, Klimakatastrophe - solchen Themen widmet sich die Autorin, erklärt Theisohn, dem insbesondere imponiert hat, wie Horn sich letzterem annimmt, indem sie es als Imaginationsgeschichte deutet und seine Drastik herausstellt. Wenn Horn mit "The Walking Dead" eine wichtige filmische Reflexion über den letzten Menschen außer Acht lässt, kann Theisohn ihr verzeihen, derart viel scheint ihm das Buch zu bieten zu haben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.08.2014

Eva Berger empfiehlt diese Lektüre allen Fans katastrophischer Unterhaltung. Allerdings warnt sie zusammen mit der Autorin Eva Horn auch davor, moderne Untergangsfiktionen nicht ernst zu nehmen. Immerhin lässt sich aus ihnen etwas lernen - fürs Jetzt vor allem, findet Berger. Als Gegenwartsdiagnose funktioniert Horns Arbeit über die Darstellung der Apokalypse in der Literatur seit der Romantik und im heutigen Kino laut Rezensentin nämlich richtig gut. Nicht zuletzt, da die Fiktion, anders, als die Wissenschaft, über das bloße Futur hinauszuweisen und die Welt nach der Katastrophe zu schildern vermöge. Wenn die Autorin diese Kunst historisch facettenreich auslotet, Szenarien des Kalten Krieges wie des Klimawandels analysiert und von Dr. Seltsam über Roland Emmerich bis Spielberg den tragischen Kern apokalyptischer Visionen freilegt, lernt Berger eine ganze Menge über Blindheit und Sehen prophetischen Wissens und die Möglichkeiten bzw. Unmöglichkeiten des Eingreifens in unser Schicksal.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2014

Wenn die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn die Flut der Katastrophenfiktion in Film und Literatur durchforstet, muss Thomas Thiel zwar mitunter mit bemühter Intellektualisierung kämpfen, im Ganzen jedoch gefällt ihm Horns Studie wegen ihrer Leichthändigkeit, mustergültiger Akribie und Realismus. So erfährt Thiel über Untergangsvisionen der Romantik und Blockbuster, in denen Zukunft gegen allen Fortschrittsglauben als Schreckgespenst auftritt, lernt etwas über die Überlegenheit der darin angelegten Erkenntnis und das Wirkungspotential, den wohligen Schauer des Geradenochmaldavongekommenseins.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.07.2014

Aufgeklärt, doch nicht optimistisch gestimmt geht Ruth Fühner aus der Lektüre des Buches der Germanistin Eva Horn hervor. Materialreich, anhand von Texten, wie Michael Crichtons "State of Fear" oder Spielbergs "Minority Report" zeigt die Autorin der Rezensentin, dass die Apokalypse seit der Schwarzen Romantik ein Dauerbrenner der Literatur ist, in welch vielfältigen Erzählmustern sie ihren Auftritt hat, aber auch, wie beschränkt der Blick der Fiktion auf sie bleiben muss, wie ästhetisch beruhigend allenfalls. Dass Horn trotz allem einen positiven Aspekt der künstlerischen Darstellung der Apokalypse entdeckt (Kunst kann Zukunft als Gegenwart darstellen), findet Fühner zwar ehrenwert, handfeste Konsequenzen daraus kann sie jedoch nicht erkennen.
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