Das Johannesevangelium konfrontiert seine Leser mit der Frage nach ihrer persönlichen Identität: Zu sich selbst finden, zu seiner Wahrheit stehen, kann demnach nur, wer auf ein Gegenüber trifft, das ihn leben lässt und ihn bedingungslos aus reiner Güte akzeptiert. Wer begreift, dass sein Leben noch einmal ganz neu beginnt unter der Perspektive, die Jesu vermittelt, lernt eine Menschlichkeit kennen, die anders kaum vorstellbar ist. Dieser Leitgedanke ist es, den Eugen Drewermann in seiner meisterlichen Interpretation des Johannesevangeliums immer wieder ausfindig macht und für unser gegenwärtiges Leben zu deuten versucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2003
Man fragt sich leicht entsetzt, was für einen eindimensionales "Bild von den Arabern" Stefan Weidner seinen Lesern zutraut, schließlich verheißt er, dass diese Lyrik-Anthologie es gehörig umkrempelt: "Wir staunen, lachen, lächeln, weinen, fassen uns an die Stirn und poltern los: Das sollen die Palästinenser sein?" Denn statt den Geist von Selbstmordattentätern zu verströmen, gewähre diese Sammlung Einblicke in "zerbrechliche Kinderseelen". Doch dann wird Weidners Emphase ansteckend. "Wenn je ein Buch einen schonungslosen, unzensierten Einblick in palästinensische Seelen geboten hat, dann dieses." Weidner preist die "Unmittelbarkeit" zeitgenössischer palästinensischer Lyrik, ihren Verzicht auf sprachliche Distanz zum Alltag, wodurch oft freilich auch der einen oder anderen "Peinlichkeit" der Boden bereitet werde. Fest stehe, dass diese Sammlung "ein uns seit der Romantik abhanden gekommener Glaube" an die Poesie durchdringe. Eine "Pioniertat kulturellen Artenschutzes" sei die zweisprachige Ausgabe obendrein, da die Gedichte im Original auf Grund der miserablen publizistischen Situation in Palästina nur schwer Bestand haben. Die vorliegende Anthologie "rettet die palästinensische Lyrik ins Archiv", schreibt Weidner und hat nur eines zu bemängeln: Dass explizit politische Lyrik ausgeschlossen wurde.
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