Die sogenannte 'Zweiquellentheorie' gilt heute als Konsens in der neutestamentlichen Exegese: Danach haben Matthäus und Lukas neben Markus auch noch eine zweite schriftliche Quelle benutzt. Da sie hauptsächlich Worte Jesu enthält, nennt man sie die Spruch- oder Logienquelle Q. Diese Quelle führt uns somit an die älteste heute greifbare Jesus-Überlieferung zurück. Daraus erklärt sich auch das große Interesse an einer möglichst genauen Rekonstruktion. Von 1989 bis 1996 hat ein Team von 42 europäischen und nordamerikanischen Wissenschaftlern an ihrer exakten Rekonstruktion gearbeitet. Hier liegt nun die Studienausgabe für den allgemeinen Gebrauch vor. Sie bietet in synoptischer Gegenüberstellung den griechischen Text und die deutsche Übersetzung von Q und gibt in einer ausführlichen Einleitung über die Forschungsgeschichte und die Kriterien der Rekonstruktion des Textes Rechenschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2002
Die Spruchquelle Q ist "eines der frühesten christlichen Dokumente", entstanden innerhalb der frühchristlichen Kreise Israels und somit Zeugnis innerchristlicher Auseinandersetzungen. Gefordert wird in dem pazifistisch orientierten Text "Barmherzigkeit" auch gegen den Feind - wenngleich dem Widerspruch nicht immer sanft, sondern mit "deftiger - innerjüdischer - Polemik" geantwortet wird. Gott werde, heißt es, wenig zimperlich, die Treulosen "vierteilen". Keinesfalls aber, mahnt der Rezensent Peter Lampe, dürfe man den Kontext außer Acht lassen: sonst nämlich ließe sich die Polemik - was geschehen ist - "antisemitisch" instrumentalisieren. Umso wichtiger der "verantwortliche" Umgang mit dieser Quelle - den, kritisiert Lampe, etwa Goldhagen vermissen lasse. Die Ausgabe selbst sei im übrigen vorbildlich: die Übersetzung wie die Einleitung sind "geglückt", der Text werde so einer "breiten deutschen Öffentlichkeit" zugänglich.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…