Katajun Amirpur (Hg.), Ludwig Ammann (Hg.)

Der Islam am Wendepunkt

Liberale und konservative Reformer einer Weltreligion
Cover: Der Islam am Wendepunkt
Herder Verlag, Freiburg 2006
ISBN 9783451056659
Kartoniert, 224 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Eine grundlegende Reform des Islam ist nötig - und möglich. Themen wie Gewalt, Koranauslegung, Frauenrechte, Demokratie stehen im Zentrum. Dieses Buch zeigt in Porträts das Gesicht des Islam der Zukunft: Wegweisende Vorschläge zur Rückbesinnung auf den wahren Kern der Religion und Neuauslegung des Glaubens.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2006

Volker Stahr begrüßt diesen von Katajun Amirpur und Ludwig Ammann herausgegebenen Band über die Debatten islamischer Denker um eine Neudefinition des Islam. Der Band bietet für ihn einen instruktiven Überblick über das breite Spektrum von Islaminterpretationen von extrem konservativ bis extrem liberal. Dabei unterstreicht er, dass die vielfältigen Strömungen anhand ihrer verschiedenen Vertreter präsentiert werden. Neben konservativen Denkern wie den libanesischen Scheich Muhammad Husain Fadlallah kommen etwa der dezidiert pluralistische Iraner Abdolkarim Sorusch oder die Frauenrechtlerinnen Gihan al-Halafawi aus Ägypten und Shirin Ebadi aus Iran zu Wort. Er attestiert dem Band, ausgetretene, von Vorurteilen bestimmte Pfade zu verlassen und liberalen wie - sich auf demokratischen Feld bewegende - konservativen Reformern des Islams gleichermaßen Gehör zu schenken. Damit markiert der Band für den Rezensenten, auch wenn er nicht mit jeder Einschätzung übereinstimmt, auch einen "Wendepunkt" in der Rezeption muslimischer und islamistischer Denker.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2006

Beat Stauffer möchte diesen Band allen ans Herz legen: auf die Reinhaltung der eigenen Tradition und Religion bedachten konservativen Muslimen ebenso wie "bornierten" Islamkritikern. Denn hier werde deutlich, wie vielgestaltig die Diskussion um eine Reform des Islam ist. Stauffer hat hier viele ihm vorher unbekannte Denker kennengelernt, und registriert mit Interesse sowohl die "irritierenden" Reformansätze wie auch die "überraschend kreativen". Mit Lob bedacht werden auch der Kommentar der Herausgeber wie das Nachwort von Patrick Haenni. Das einzige, was Stauffer den Herausgebern vorhalten möchte, ist ihre allzu vorsichtige und "unkritische" Behandlung der einzelnen Denker, deren Argumentation offenbar nur "sehr behutsam" auf Unstimmigkeiten abgeklopft wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.06.2006

Angesichts der verbreiteten Ängste und Vorurteile gegenüber dem Islam begrüßt Alexander Flores diesen Sammelband, der 19 Meinungen zum modernen Islam wiedergibt. Wenn er auch die Kapitelüberschriften etwas beliebig findet, stellt der Rezensent doch fest, dass sich bestimmte große Themen kontinuierlich durch die Beiträge ziehen, wie etwa die Frage, ob die Scharia als bindend für einen modernen Muslim zu betrachten ist oder wie mit dem Problem der physischen Strafen umzugehen ist. Der Band liefere ein vielfältiges, differenziertes Bild vom Islam und demonstriere vor allem, dass er nicht starr und unveränderlich, sondern durchaus entwicklungsfähig und reformierbar sei, so der Rezensent zufrieden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.04.2006

Den größten Vorzug dieses Bandes sieht Alexander Görlach darin, dass hier die Vielfalt der Stimmen innerhalb des sonst allzu oft als einheitlicher Block erscheinenden Islam deutlich wird. Denn die Fragen nach der Zukunft der islamischen Religion würden von jedem der befragten Gelehrten individuell unterschiedlich beantwortet. Indem die Herausgeber Katajun Amirpur und Ludwig Ammann so unterschiedliche Auffassungen wie jene von Abu Zaid und Tariq Ramadan aufnehmen, werde die ganze "Bandbreite" der möglichen Entwicklungen abgedeckt, die der Islam in Zukunft nehmen kann. Mit dem Grundsatz, zugunsten einer echten Diskussion auch extreme Meinungen nicht auszuschließen, kann sich der Rezensent identifizieren.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2006

Ob die Reformdenker im Islam auch eine Veränderung bewirken können, ist angesichts der Erfolge des radikalen Islam bei weitem nicht sicher, meint Wolfgang Günter Lerch, aber trotzdem oder gerade deshalb sollte man deren Anstrengungen "wenigstens zur Kenntnnis nehmen". Zwei "Schulen" kann der Rezensent unter den von Katajun Amirpur und Ludwig Amman vorgestellten islamischen Denkern ausmachen, eine konservative, vertreten etwa durch Tariq Ramadan, und eben eine reformistische, deren bekanntester Vertreter der Ägypter Abu Zaid sein dürfte. "Am interessantesten" findet Lerch aber den letzten Teil zu den Frauenrechtlerinnen, wie ihm überhaupt der ganze Band im Großen und Ganzen zugesagt zu haben scheint.
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