Der Ort Pech Merle im Süden Frankreichs ist berühmt für seine Höhlenmalerei, die Sapiens vor Tausenden von Jahren angefertigt haben. Im Norden, unter der Erde von Bure, planen in diesem Moment andere Sapiens Atommüll zu vergraben, der über 100.000 Jahre hinweg gefährlich bleiben wird. Étienne Davodeau spürt, dass diese Orte miteinander verbunden sind und wandert von Süd nach Nord, um die Beziehung des Menschen zum Planeten und seinem Boden zu untersuchen und zu hinterfragen. So gelingt ihm eine umfassende Erzählung, die Wissenschaft, Kultur und Umwelt miteinander in Beziehung setzt.
Rezensentin Paula Kehl begleitet Étienne Davodeau gerne auf seiner Wanderung quer durch Frankreich, die der Zeichner in seiner Graphic Novel festgehalten hat. Davodeau, der auch schon früher zu sozialkritischen Themen gearbeitet habe, widmet sich hier unserem Verhältnis zum Erdboden: Ausgehend von einer Höhlenmalerei in der Tropfsteinhöhle in Pech Merle sinniert er auf seinem Fußmarsch über verschiedene Themen, die er zwischendurch auch mit Expert*innen diskutiert - so etwa mit dem Atomkraftkritiker Bernard Laponche über die Risiken eines in Bure, dem Zielort der Reise, geplanten Atommüllendlagers, bei dem der Müll unter der Erde vergraben werden soll. Wie Davodeau diese Gespräche in seine reflexive Wanderung integriert (in echt haben sie wohl vorab stattgefunden, meint die Kritikerin) und dabei unaufdringliche, dennoch "anrührende" Beschreibungen von Naturerfahrungen einfügt, ergibt für die Kritikerin eine ansprechende Mischung: eine "aufrüttelnde" und informierende Lektüre.
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