Erika von Borries

Wilhelm Müller. Der Dichter der Winterreise

Eine Biografie
Cover: Wilhelm Müller. Der Dichter der Winterreise
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406562129
Kartoniert, 320 Seiten, 26,90 EUR

Klappentext

Mit zwei CDs. Wilhelm Müller (1794 - 1827), der Dichter der Winterreise und der Schönen Müllerin, die durch Franz Schubert zu den berühmtesten Liederzyklen der Musikgeschichte wurden, war zu Lebzeiten einer der angesehensten deutschen Lyriker. Erika von Borries erzählt sein Leben. Sie löst seine Texte aus dem Bann der Musik und gibt ihnen ihre literarische Bedeutung zurück. Wilhelm Müller hat es in seinem kurzen Leben vom einfachen Schneidersohn zum herzoglich Dessauischen Hofbibliothekar und Hofrat gebracht. In höchstem Maße sprachbegabt und weltoffen, wurde er einer der wichtigsten Vermittler der europäischen Literatur. Als Übersetzer, Kritiker, wissenschaftlicher Publizist und Schriftsteller arbeitete er vor allem für den liberalen Leipziger Verleger Brockhaus; daneben war Müller Lehrer für Latein und Griechisch an der Dessauer Gelehrtenschule. Mit seinen Liedern der Griechen engagierte sich Müller leidenschaftlich für den Freiheitskampf der Hellenen gegen die Türken, so dass er schon zu Lebzeiten den rühmenden Beinamen "Griechen-Müller" erhielt. Die Biografie zeichnet sein Leben und Wirken im Umfeld seiner Zeitgenossen Brentano, Eichendorff, Tieck, Gustav Schwab, Fouque, Goethe u.a. nach: ein exemplarisches Leben zwischen Romantik und "Jungem Deutschland", zwischen den großen Hoffnungen der Befreiungskriege und der tiefen Enttäuschung im Restaurationszeitalter.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.01.2008

Zu Lebzeiten war Wilhelm Müller berühmter als der Mann, dem er heute im wesentlichen seinen Nachruhm verdankt, als Franz Schubert nämlich, der Müllers "Winterreise" - ohne dass dieser je davon erfuhr - vertonte. Müller, dessen kurzes Leben sich von 1794 bis 1827 erstreckte, kannte man aus zwei Gründen: als passionierten Wanderer zum einen (er ist der Müller, dessen Lust das Wandern ist), als Unterstützer Griechenlands in seinem Freiheitskampf gegen die Türken zum anderen. Ein bisschen schade findet es der Rezensent Dieter Hildebrandt, dass Müllers Biografin Erika von Borries nicht die ganz große Nähe zum Menschen Wilhelm Müller sucht. Dennoch lobt er das Buch als "ebenso einfühlsam wie kenntnisreich" und über die draufgepackten Hörbücher mit einer kompletten Einspielung von Schuberts "Winterreise" sowie einer Gert-Westphal-Lesung von "Die schöne Müllerin" will er sich ganz gewiss auch nicht beschweren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.12.2007

Harald Eggebrecht zieht vor Erika von Borries Unternehmung, Wilhelm Müller, der heute vor allem als Dichter von Schuberts Liederzyklen "Winterreise" und "Die schöne Müllerin" in Erinnerung ist, in einer Biografie als eigenständigen romantischen Dichter zu etablieren, seinen Hut. Dass Müller den Lesern dennoch fern bleibt, liegt in seiner Persönlichkeit und ist der Biografin nicht anzulasten, betont der Rezensent. Von Borries zeichnet den Dichter als einzelgängerischen, hochbegabten Menschen, der seltsam zwischen großem Talent und "Banalität", zwischen Widerstand und Anpassung changierte, stellt der Rezensent fest, den die Einschätzung der Autorin von Müllers patriotischen Griechenland-Liedern als "Ersatz-Engagement" gegen die repressive Metternichzeit sehr überzeugt. Wenn also die "seltsam" verschwommene Persönlichkeit Müllers nicht wirklich hervortritt, so hat sie mit dieser Lebensbeschreibung doch mehr Kontur bekommen, lobt der Rezensent.
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