Ian Bostridge

Schuberts Winterreise

Lieder von Liebe und Schmerz
Cover: Schuberts Winterreise
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406682483
Gebunden, 405 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Schuberts Winterreise, vollendet in den letzten Monaten seines kurzen Lebens, ist eines der eindrucksvollsten und rätselhaftesten Meisterwerke der europäischen Kultur. Einst geschrieben für intime Gelegenheiten, füllt der Liederzyklus heute die größten Konzertsäle der Welt. Ian Bostridge, ein Interpret von Weltrang, erschließt in seinem Buch Kontext und Wirkung der 24 Lieder.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2015

Hymnisch bespricht der Pianist Alfred Brendel in einem sehr lesenswerten Essay Ian Bostridges Buch über "Schuberts Winterreise". Als geradezu "erregendes Abenteuer" erscheint dem Kritiker die Lektüre dieses lehrreichen, lebendigen und schönen Buches, in dem der Tenor Ian Bostridge sein literarisches Talent glanzvoll unter Beweis stellt. Hingerissen liest Brendel wie der Autor in 24 Kapiteln die Lieder der Winterreise umkreist und dabei virtuose Assoziationen und herrliche Abschweifungen einbindet: Exkurse über Tränen liest der Kritiker ebenso gebannt wie Bostridges Assoziationen zu Thomas Manns "Zauberberg", Bob Dylans "jingle jangle" oder Heiratskontrakten der Metternich-Zeit. Dass Bostridge dabei auf musikalischen Fachjargon verzichtet, freut Brendel umso mehr. Auch mit der deutschen Übersetzung ist der Kritiker sehr zufrieden, dennoch empfiehlt er, das Buch im englischen Original zu lesen, um die atemberaubende Unmittelbarkeit von Bostridges Originalprosa zu erleben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Etwas Schöneres als Schuberts Winterreise zu hören und dabei Ian Bostridges gleichnamiges Buch zu lesen, kann sich Rezensent Johan Schloemann kaum vorstellen. Schubert-Verehrern ohnehin, aber auch jenen, die es werden wollen, legt der Kritiker die Lektüre dringend ans Herz, denn der Tenor und Historiker biete so viele Assoziationen, Interpretationen, biografische und politische Hintergründe, dass für jeden etwas dabei ist. Wenn Bostridge etwa den "Leiermann" mit Bob Dylans "Tambourine Man" vergleicht oder das Horn-Motiv in dem Lied "Die Post" mit der Oxytocin-Ausschüttung assoziiert, die heute das Klingeln des Handys auslöst, staunt Schloemann nicht nur über die Belesenheit des Autors, sondern bewundert nicht zuletzt den ebenso klugen wie eleganten Erzählton dieses Meisterwerks.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Rezensentin Eleonore Büning entdeckt eine echte Wundertüte mit Ian Bostridges Schubert-Buch. Dass der Autor nicht nur Tenor und gefeierter Schubert-Interpret ist, sondern auch Historiker, trägt dazu bei. Wenn er wild umherschweifend Musik-, und Naturwissenschaftliches, Theologie, Philosophie, Psychologie, Physik und die Kunsthistorie streift, um Erkenntnisse zur "Winterreise" aufzuspießen und der Leserin zu kredenzen, fühlt sich Büning reich beschenkt. Auch wenn sie dem Autor auf manchem Umweg folgen muss, von Thomas Mann zu den Simpsons und zum Lindenbaum, so ein Buch über Schubert, meint sie, gab es noch nie. Auf die Abwesenheit eines Registers und auf neudeutsche Übertragungsidiosynkrasien hätte sie allerdings gerne verzichtet.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.09.2015

In höchsten Tönen lobt Rezensent Elmar Krekeler das Buch des britischen Spitzentenors Ian Bostridge über Franz Schuberts Liederzyklus "Winterreise", das - wie der Kritiker betont - kein reines Musikbuch geworden ist. Für "unfassbar klug" hält Krekeler das Werk, es ist für ihn eine "Wunderkammer". Nähe schaffen zu den Liedern, ihr Verständnis ermöglichen: Das wolle Bostridge mit seinen gleichzeitig umherschweifenden und in die Tiefe gehenden Überlegungen zu Metaphern und Symbolen, garniert mit "fabelhaften Fundstücken" zu allen möglichen Themen entlang der Liedtexte. All das Wissen scheint aus Bostridge geradezu herauszubrechen, so der hingerissene Rezensent, sei dabei aber nie Selbstzweck. Ein Wunder sind die Lieder der Winterreise, schwärmt Krekeler, und ein Wunder sei auch, dass dieses Buch über sie zwar zu ihrem Verständnis beitrage, ihnen aber doch ihr Geheimnis lasse.