Wenn Erich Loest, der Chronist, auf die deutsche Vergangenheit zurückblickt, behält er die Gegenwart stets im Auge. In seinen Reden und Essays der letzten Jahre bringt Loest deutlich zur Sprache, was zu sagen ist über sein Deutschland, sein Sachsen, sein Leipzig. Er fasst die Gedenkkultur hart an, plädiert für das Fusionieren ostdeutscher Bundesländer und beklagt das intellektuelle Ausbluten seiner Heimatstadt. Farbig wie immer und ganz aus eigenem Erleben gespeist, spricht Erich Loest von guten und schlechten Traditionen, von Gemeinsinn und der Notwendigkeit, sich weiterhin einzumischen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2008
Sabine Brandt schätzt Erich Loest als Erzähler seiner eigenen Geschichte, die zugleich ein halbes Jahrhundert deutscher Geschichte umfasst, und sie betont als besondere Qualität, dass der Autor eben nicht nur beobachtet und reflektiert, sondern als junger Soldat, DDR-Bürger, der als "Klassenfeind" sieben Jahre eingesperrt wurde, und als späterer Exilant "all den deutschen Jammer" des 20. Jahrhundert selbst durchlebt hat. In seinem jüngsten Buch, das Reden, Interviews, Aufsätze und zwei Theaterstücke versammelt, zieht er, seit 1990 wieder in seiner Heimatstadt Leipzig lebend, Bilanz aus der Zeit seit der Wende. Für Brandt eint die Beiträge vor allem ein Gefühl der "Enttäuschung", die sich allerdings nicht als Groll, sondern als Trauer manifestiert. Und so durchzieht dieses Buch, so unterschiedlich die einzelnen Texte auch thematisch sind, die altersweise Gewissheit, dass die meisten Menschen aus ihren Fehlern nichts gelernt haben, so die Rezensentin, die Loests Auseinandersetzung mit den "hartnäckigen Fehlerschatten" seiner Zeit am eindruckvollsten in den beiden Theaterstücken vorgeführt sieht.
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