Erich Auerbach

Kultur als Politik

Aufsätze aus dem Exil zur Geschichte und Zukunft Europas
Cover: Kultur als Politik
Konstanz University Press, Konstanz 2014
ISBN 9783862530465
Gebunden, 200 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Christian Rivoletti. Aus dem Türkischen von Christoph Neumann. Über die Exiljahre in der Türkei, in denen der deutsch-jüdische Literaturwissenschaftler Erich Auerbach sein Hauptwerk "Mimesis" verfasste, ist bis heute nur wenig bekannt. Eine große Überraschung war daher die Entdeckung der Vorträge, Aufsätze und kürzeren Beiträge, die Auerbach nach der Vertreibung aus Deutschland (1935) während des Exils in Istanbul geschrieben hat. Sie wurden zuerst in türkischer Sprache veröffentlicht und erscheinen nun in diesem Band zum ersten Mal in deutscher Übersetzung. Erich Auerbach hatte aufgrund der räumlichen und kulturellen Distanz seines Exils das immer schneller ins Verderben stürzende Europa von außen zu betrachten. Diese besondere Situation prägte seinen Blick. Istanbul bedeutete für ihn aber nicht nur eine sichere Entfernung zu den schrecklichen Ereignissen in Deutschland, sondern ermöglichte zugleich eine produktive, wenn auch schwierige Auseinandersetzung mit den offenen Problemen eines Landes, das sich in einer heiklen politischen Übergangsphase befand. Deutlicher als in allen anderen seiner Schriften übernimmt Auerbach hier die Rolle des Kulturhistorikers und engagierten Intellektuellen: Er untersucht Phänomene und Protagonisten der europäischen Geschichte unter dem Gesichtspunkt der gegenwärtigen sozialen und politischen Lage. Der Krieg, die Entstehung der Nationalsprachen, die Beziehung zwischen historischem Absolutismus und moderner Demokratie bilden zusammen mit der Schilderung von großen Figuren wie etwa Dante, Machiavelli oder Montesquieu den Ausgangspunkt für eine kulturgeschichtliche Deutung, in der die zeitgenössische Krisensituation im Lichte der Lösungsversuche der Vergangenheit betrachtet wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2014

Rezensent Manfred Koch freut sich, dass Erich Auerbachs nun unter dem Titel "Kultur als Politik" erschienene Aufsätze aus dem türkischen Exil erstmals auf Deutsch zu lesen sind. Der Kritiker erinnert zunächst an Auerbachs berühmtes Werk "Mimesis", in dem er in brillant gewählten Textstellen von Homer bis Virginia Woolf jeweils das Porträt und die Idee einer ganzen Epoche zeichnet. An den nun in diesem Band vorliegenden Zeitschriftenartikeln und verschriftlichten Vorträgen Auerbachs, die er vor einem breiten türkischen Publikum hielt, bewundert der Kritiker Auerbachs Vermögen, Grundkenntnisse und persönliche Forschungsschwerpunkte in verständlicher, popularisierter Form zu vermitteln. So liest er hier in leicht vereinfachter Form noch einmal bereits in "Mimesis" untersuchte Themen, etwa jenes der "Alltäglichkeit" in der Literatur. Allein, was der Kritiker hier über Dante lernt, hat ihn schwer beeindruckt und so kann er dieses nicht zuletzt dank seiner "Unbekümmertheit" so angenehm zu lesende Werk nur unbedingt empfehlen.
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