Klappentext

Eine Momentaufnahme, die das Drama des 20. Jahrhunderts erzählt Für das Abitur 1912 an der Charlottenburger Kaiser-Friedrich-Schule meldeten sich 22 junge Männer an, unter ihnen Walter Benjamin. Der bedeutende deutsch-jüdische Schriftsteller war aber nicht der einzige, der sich in seinem weiteren Leben einen Namen machen konnte. Eine faszinierende Spurensuche durch die Wirren des 20. Jahrhunderts beginnt. Einige von Benjamins Klassenkameraden wurden später bekannte Rechtsanwälte, Notare, Ärzte, Publizisten und Wissenschaftler. Fünf seiner Mitschüler kamen bereits im Ersten Weltkrieg um; sie hatten sich als Freiwillige zu den Waffen gemeldet. Manche drifteten an den rechten Rand der Gesellschaft, ein Mitschüler wurde im "Dritten Reich" einer der Hauptlieferanten für Zyklon B. Andere wurden später von den Nazis deportiert und in Konzentrationslagern ermordet. Walter Benjamin selbst nahm sich auf der Flucht vor seinen Verfolgern 1940 in Portbou an der spanisch-französischen Grenze das Leben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.11.2012

So ganz überzeugt scheint Antonia Grunenberg nicht zu sein von Momme Brodersens Versuch einer Rekonstruktion individueller Lebensgeschichten aus Walter Benjamins Abiturjahrgang, Anno 1912. Zwar gelingen dem Autor laut Rezensentin eindrückliche Schilderungen von mentalitätsgeschichtlicher Bedeutung, wenn er die Bandbreite an Lebenswegen (viele endeten im Krieg) der vor allem der jüdischen Oberschicht entstammenden Schüler auffächert oder die Geschichte der Kaiser-Friedrich-Schule in Charlottenburg erzählt. Dann wieder scheint Grunenberg die Quellenlage allzu dünn. Und weitet die Rezensentin den Blick, wird das Bild schnell unübersichtlich, fehlen Antworten auf ihr wichtig erscheinende Fragen, etwa nach der Bedeutung der Jugendbewegung für diese Generation junger Männer.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Oliver Pfohlmann von Momme Brodersens Spurensuche in den Lebensläufen von Walter Benjamins Klassenkameraden. Er bescheinigt dem Germanisten eine gewissenhafte, auf Archiv-Recherchen basierende Rekonstruktion der historischen Kontexte und der Biografien der Mitschüler Benjamins. So lässt Brodersen für ihn anhand der Sozialbiografie von Benjamins Abiturientenklasse von 1912 die deutsche Geschichte vom Kaiserreich bis zur Zeit nach 1945 "aus der Mikroperspektive" nachvollziehbar werden: autoritäre Erziehung in der Schule, Teilnahme am Ersten Weltkrieg, Studium, Fremdheitsgefühle in der Weimarer Republik, Ausgrenzung der einen (Juden) nach 1933 und Karriere der anderen im Nationalismus. Das Fazit des Rezensenten: "stupend".