Emanuel Herzog von Croy

Nie war es herrlicher zu leben

Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ 1718-1784
Cover: Nie war es herrlicher zu leben
C. H. Beck Verlag, München 2011
ISBN 9783406621703
Gebunden, 428 Seiten, 24,95 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Französischen von Hans Pleschinski. Herzog Emanuel von Croÿ (1718-1784) stammte aus einer altadligen Familie französisch-deutschen Ursprungs, war Landbesitzer, ranghoher Militär, Beobachter und Chronist seiner Zeit und interessierte sich insbesondere für Literatur, Architektur sowie das Theater. Er war nicht nur ein produktiver Autor von Essays und Pamphleten, sondern auch ein besessener Tagebuchschreiber, von dem tausende Seiten seines Journals seit 1740 überliefert sind. Hans Pleschinski hat das Journal zum ersten Mal in einer Auswahl für das deutsche Publikum übersetzt und herausgegeben: Eine farbige und anschauliche, streckenweise einzigartige Fundgrube, was das politische und gesellschaftliche, private und höfische Leben im 18. Jahrhundert in Frankreich und in Deutschland bis zur Französischen Revolution anbelangt. Begegnungen mit Voltaire und Benjamin Franklin, den Brüdern Montgolfier, Porträts von Madame de Pompadour bis zu Marie Antoinette, die Hinrichtung eines Attentäters und das Sterben Ludwigs XV.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2011

Nichts haben die Memoiren des Herzogs von Croy von ihrer mitreißenden Unmittelbarkeit verloren, schwärmt ein hingerissener Walter van Rossum. Die 1737 begonnenen Aufzeichnungen, die bis zum Tod des Herzogs 1784 auf 41 Bände anschwollen, geben einen faszinierenden Einblick in das Leben am Hof Ludwigs XV. und später Ludwigs XVI., verspricht der Rezensent, der in dem Verfasser einen ebenso getreuen Chronisten wie "großartigen Erzähler" schätzt. Die Entscheidung des Verlags, es als "Geheimes Tagebuch" zu vermarkten, ist allerdings lediglich als Werbung abzutun, stellt van Rossum klar, denn geheim ist an diesen Memoiren gar nichts, auch wenn sie wahrscheinlich nicht für eine Veröffentlichung geschrieben worden sind. Diese Ausgabe mit ungefähr einem Viertel der Originalhandschrift wurde zudem vom Herausgeber, der auch noch Spezialist für Schriften des 18. Jahrhunderts ist, ganz hervorragend übersetzt, freut sich der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2011

Ha, ein Aufklärer! Cord Aschenbrenner hat es rausbekommen, wer sich hinter dem Herzog von Croy wirklich verbirgt, nicht etwa ein Höfling von Königs Gnaden. Aschenbrenner merkt es an der Art, wie dieser Geist sich von seiner Neugier auf alle möglichen Gedanken führen lässt, leise selbstironisch, die bewegten Zeitläufe nicht nur betrachtend, sondern sie beurteilend, immer nachdenklich, immer menschlich rührend und stilistisch unprätentiös, was ja nicht selbstverständlich ist in diesem Fall. Die Zeit dieser Tagebücher zwischen 1737 und 1784 wird dem Rezensenten so schön gegenwärtig, das höfische Leben, die Machtpolitik Ludwigs XV., und wo es fern bleibt, helfen ihm die Herausgeber-Anmerkungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2011

Wolfgang Burgdorf ist auf einen Schatz gestoßen! Leineneinband und Prägedruck versprechen nicht zu viel. Die Tagebuchaufzeichnungen des Herzogs von Croy, von Hans Pleschinski kenntnisreich übersetzt und kommentiert, wie der Rezensent versichert, begegnen ihm als facettenreiche, spannend zu lesende Chronik des Ancien Regime, vergleichbar den Aufzeichnungen Saint-Simons, nur freundlicher, weniger hämisch, meint Burgdorf. Wenn der Autor Begegnungen mit Voltaire, Rousseau und Benjamin Franklin notiert, Porträts der Kaiser und Könige seiner Zeit entwirft oder kulturgeschichtliche Einblicke in das höfische Leben in Versailles, das Reisen und das Speisen mit versenkbaren Tafeln gibt, kann Burgdorf die Macht Frankreichs Ende des 18. Jahrhunderts ermessen. Mit dem schön gestalteten, reich bebilderten Band in Händen kann sich der Rezensent selbst ein bisschen wie ein König fühlen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.08.2011

"Eines der schönsten historischen Bücher des Jahres" stellt Rezensent Stephan Speicher mit diesen ausgewählten Tagebuchaufzeichnungen des Herzogs von Croy vor. Ein Bild des französischen Hofes werde darin gezeichnet, das auch seine Schattenseiten hervorkehrt: die Prunk- und Verschwendungssucht, eine omnipräsente Katzbuckelei, die "Narretei" so mancher Zeremonie und Hofdamenfrisur. Als guter Beobachter mit hervorragendem Stil kann der Herzog von Croy die Sympathien des Rezensenten auf seiner Seite verbuchen. Allerdings registriert Speicher mit Erstaunen, dass sich Croy bei allen erkannten Widersprüchen seiner Existenz nie selbst zum Problem werde. "Klug und offen" sei er zwar, bleibe aber dem Denkhorizont des Ancien Regime dennoch tief verhaftet. Seine Begeisterung für das aufstrebende Amerika beispielsweise werde von keinerlei Sorge über dessen revolutionäres Potenzial getrübt. Auch in Frankreich selbst habe er die Zeichen der Zeit bis zu seinem Tod fünf Jahre vor der Revolution letztlich nicht zu deuten gewusst.
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