Joseph J. Ellis

Sie schufen Amerika

Die Gründergeneration von John Adams bis George Washington
Cover: Sie schufen Amerika
C. H. Beck Verlag, München 2002
ISBN 9783406495205
Gebunden, 373 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Martin Pfeiffer. Joseph Ellis erzählt die Geschichte einer einzigartigen Generation von Staatsmännern. In den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts schufen sie die amerikanische Republik und prägten deren Weg für Jahrhunderte. Ihre Namen: John Adams, Aaron Burr, Benjamin Franklin, Alexander Hamilton, Thomas Jefferson, James Madison und George Washington. Ellis schildert sechs außergewöhnliche Augenblicke, in denen die Lebensläufe dieser Männer sich kreuzten und Geschichte machten. Ein Duell mit tödlichen Folgen, ein geheimes Dinner, bei dem über die künftige Hauptstadt entschieden wird, Washingtons berühmte Farewell-Adresse und ihre Vorgeschichte - in diesen und anderen Episoden wird Geschichte zu einem dichten Gewebe von Geschehnissen, in denen die Schicksale höchst unterschiedlicher Persönlichkeiten unauflöslich miteinander verbunden sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.11.2002

Die "klug strukturierte" Studie des Historikers Joseph J. Ellis über die Gründerväter der USA, für die Ellis im letzten Jahr den Pulitzer-Preis erhielt, lese sich, lobt Malte Oberschelp, "wie ein guter Roman" und "unakademisch wie ein Zeitungstext". Über die Gründungsgeschichte gebe es zwar eine Fülle von Büchern, weiß der Rezensent, aber mit Ellis Studie spare sich der Leser "viele Bibliotheksmeter". Dabei habe der Autor seine Erzählung auf sechs Ereignisse beschränkt, in denen sich die Wege der Akteure überschnitten, die die politische Konsolidierung der USA vorangetrieben hatten. Besonders aufschlussreich findet Oberschelp den Auftakt des Bandes, die Beschreibung eines Duells "prominenter Streithähne" aus dem Jahr 1804, in dem Vizepräsident Aaron Burr Ex-Minister Alexander Hamilton erschossen hatte. Konkurrenzen und Allianzen der Gründungsväter schildere der Autor stets aus einer "ironischen Distanz" und trotz der Wiederholung vielfältiger sozialgeschichtlicher Studien habe Ellis ein "modernes Buch" geschrieben, schwärmt der Rezensent. Ellis Unterfangen, als Historiker in die Rolle eines Romanciers zu schlüpfen, sei ihm, lautet das wohlwollende und gänzlich positive Fazit von Oberschelp, hervorragend gelungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002

Gert Raethel reagiert absolut sauer auf diese "biografischen Meditationen" über die Gründerväter Amerikas. Er findet, dass Joseph J. Ellis mit seiner Darstellung der amerikanischen Gründerväter der "Postmoderne ins Gesicht spuckt ", weil ohne Scheu einzelne Personen allein für geschichtliche Entwicklung verantwortlich gemacht werden, ungeachtet des "Dekonstruktivismus und der Enthierarchisierung" der mittlerweile verbreiteten Geschichtsauffassung. Zudem kommen Frauen nur am Rande vor und "Minderheiten nur als Sklaven", ärgert sich der Rezensent. Für sein Gefühl hat Ellis' "Verehrung" der historischen Figuren etwas "Kniefälliges". Raethel weist auch darauf hin, dass Ellis, der an einem "reinen Frauencollege" unterrichtet, seinen Studentinnen falsche biografische Details aufgetischt hat - zum Beispiel, dass er in Vietnam gekämpft haben. Tatsächlich war Ellis nie in Vietnam, weiß Raethel. Diese "persönliche Unaufrichtigkeit" des Mannes "nässt" seiner Ansicht nach auch auf Ellis' wissenschaftliches Urteil durch. So nehme Ellis die "unbewiesene These", Thomas Jefferson habe seine schwarze Sklavin Sally geschwängert, zum Anlass, Bill Clinton zu verteidigen. Dessen sexuelle Eskapaden seien aus historischer Sicht entschuldigt. Schließlich rügt der Rezensent auch noch die fehlerhafte und unelegante Übersetzung. Das nennt man wohl einen Verriss.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.10.2002

Hans Ulrich Gumbrecht stellt zu Anfang seiner Besprechung eine Frage, die er am Schluss etwas merkwürdig beantwortet. Er fragt sich nämlich, was ein solches Buch, das ein gewisses "Standardwissen in narrative Anschaulichkeit zurückübersetzt", dem amerikanischen Durchschnittsleser und den "europäischen Intellektuellen" zu bieten hat. So macht er aus, dass man als Europäer wohl interessante Details aus diesem, in einem "angestrengt unakademischen (und manchmal allzu behäbigen) Prosastil" geschriebenen Buch über amerikanische Geschichte lernen kann, beispielsweise einiges über die Freundschaft zwischen John Adams und Thomas Jefferson, die "erst an ihrem gemeinsamen Todestag, dem 4. Juli 1826, endete". Aber am meisten beeindruckt hat den Rezensenten ein Bruch in der Chronologie der Darstellung: Darin geht es um das Duell zwischen dem damaligen Vizepräsidenten Aaron Burr und seinem Kontrahenten Alexander Hamilton, in dem Burr "entgegen allen unter Gentlemen geltenden Konventionen" Hamilton erschoss. Da es am Anfang des Buches steht, hat dieses Ereignis wohl eine "leitmotivische Funktion" für den Autor, vermutet Gumbrecht. Er findet diese dann erstaunlicherweise in der "Gesetzes- und Konventionstreue" der beiden, die sie erst zum Duell haben schreiten lassen. Dass sich Amerikas Gründerväter nämlich "beständig an die Prinzipien politischer Legitimität erinnerten" und banden, so Gumbrecht, werde hier in "emblematischer" Weise vorgeführt. Es sei also für deutschsprachige Leser ein Gewinn aus dieser Lektüre, sich die Frage zu stellen "ob diese Erbschaft der demokratischen Demokratie je erloschen" ist. Hm...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

Es geht um die Gründungszeit der Vereinigten Staaten, über die, so Hans Pleschinski, der Autor Joseph J. Ellis "erstaunliche Details" zu berichten weiß. So beispielsweise, dass die Akten des Staates, als 1800 die Hauptstadt von Philadelphia nach Washington verlegt wurde, "in sieben Kisten" passte. Weiter geht es mit der Geschichte, wie durch George Washington die Präsidialdemokratie entstand und wer Thomas Jefferson war, der die Unabhängigkeitserklärung verfasste. Es ist vor allem ein Thema des Buchs, das Pleschinski fasziniert: Der "wunderbare und folgenreiche Aufbruch" der amerikanischen Gründerväter, die - alles sehr energische Männer - Gerechtigkeit und das freie Streben nach Glück für alle Amerikaner zu sichern suchten.