Elsa Morante

Eine frivole Geschichte über die Anmut

und andere Erzählungen
Klaus Wagenbach Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783803112163
Gebunden, 137 Seiten, 13,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Als die kaum achtzehnjährige Elsa Morante die Enge ihres Elternhauses hinter sich ließ, schlug sie sich mit Nachhilfestunden, dem Verfassen von Examensarbeiten - und mit Schreiben durch: Erzählungen, die sie in Zeitschriften und Zeitungen teils unter Pseudonym veröffentlichte. 1941 endete diese Tour de force: sie heiratete Alberto Moravia und veröffentlichte mit Erfolg ihr erstes Buch, "Das heimliche Spiel" eine strenge Auswahl aus den Texten ihrer Jugendjahre - Geschichten, die ganz leise beginnen, jedoch ihre Helden erstaunt und ratlos zurücklassen: Die Geschichte vom korrekten und geachteten Lehrer, der sein Leben ohne Aufregung führt, bis eines Tages ein neuer, stummer Schüler mit einer Mütze auf dem Kopf in der ersten Reihen Platz nimmt... Oder die Geschichte von dem Mann, der seinen Schutzengel loswerden möchte, um endlich zu tun, was er will. Der Engel verschwindet, dafür nistet sich eine Haushälterin bei ihm ein...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2004

"Kurztragödien" nennt Winfried Wehle die frühen Erzählungen der Elsa Morante, die 1941 im Original veröffentlicht wurden und jetzt erstmals auf deutsch erschienen sind. Nicht ohne den "Dunst des Epigonalen" zu wittern, würdigt er die "sensible Unerbittlichkeit", mit die 1985 verstorbene Autorin ihre Gestalten "in sich zusammenfallen" lasse und sich so in die Tradition der europäischen Dekadenzliteratur einreihe. Das Phantastische kontrastiere hierbei mit ihrer "konservativen Erzählweise". Diese hat ihr wohl den großen Erfolg beim Publikum verschafft, vermutet Wehle, der ob dieser "Leselust an der eigenen Entzauberung" ein wenig ratlos ist: "Sollen solche dunklen literarischen Spiegel am Ende einen wohltuenden Exorzismus ausüben?"
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2003

Martin Krumbholz erkennt in diesem Band mit 14 frühen Erzählungen bereits die "spätere große Romanautorin in nuce". Die Erzählung "Der Beichtvater", in der ein Dienstmädchen von einer obsessiven Leidenschaft für ihren Dienstherrn überwältigt wird, hebt der Rezensent als "Meisterstück" unter den Geschichten dieses Bandes Hervor. Er findet, dass sich darin die "Qualitäten" der italienischen Autorin Elsa Morante am deutlichsten zeigen, nämlich ihr Gespür für "menschliche Abgründe", für differenzierte Seelenlagen und ihr "doppelter" Blick auf "Fleischliches und Mythisches". Morante interessiert sich für das "Gespenstische", meint der Rezensent, der deshalb einen "gewissen surrealen Thrill" in den Erzählungen ausmacht. Trotz dieses Lobs sieht er aber den überwiegenden Teil der Erzählungen an allzu starker Orientierung an Pointen und an ihrem "spekulativen" Charakter kranken, und das ist für ihn auch die Erklärung dafür, warum die Autorin in einer Neuausgabe des Erzählbandes "Il gioco segreto", der ursprünglich auch diese 14 Erzählungen enthielt, die Texte nicht noch einmal aufgenommen hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

In diesem Band, so "tost", sind vierzehn frühe Erzählungen der 1985 gestorbenen italienischen Autorin Elsa Morante versammelt, alle in den späten dreißiger und vierziger Jahren entstanden, zu einer Zeit also, erinnert uns "tost", als in Italien der Faschismus herrschte und sich der Neorealismus zum wichtigsten literarischen Genre mauserte. Morante dagegen entwickelte ihre Geschichten psychologisch, charakterisiert "tost" die Erzählungen, manchmal trügen sie fast surrealistische Züge, aber immer umkreisten sie zwei Themen: Verfolgung und existentielle Ungerechtigkeit. Diese Geschichten sind frühe Stücke eines schmalen, aber eindringlichen Werkes, lobt "tost".
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