Elizabeth Bowen

In der Hitze des Tages

Roman
Cover: In der Hitze des Tages
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783895612442
Gebunden, 439 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier. Kriegstage in London, wo "die heißen Nachmittage, einer wie der andere, quälend langsam verrannen", die Ängste der vorangegangenen Nacht kaum gebannt waren, und die Toten gestern noch die Lebenden noch immer die Stadt bewohnen. Zwischen denen, die nicht geflohen sind und jenen, die meinen, die Zukunft hielte nichts mehr für sie bereit, entwickelt sich eine ungewöhnliche Intimität. Stella ist Teil dieser neuen Gesellschaft der Dagebliebenen, in der sie Robert im ungestümen Herbst der frühen Londoner Luftangriffe kennenlernt. Abgelöst von der Vergangenheit verkörpert Robert für sie die Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2007

Die Warnung der Rezensentin ist deutlich: Dies ist kein Thriller, sondern ein Psychodrama um Misstrauen und Verrat. Dass es Elizabeth Bowen sich und dem Leser mit ihrem Stoff nicht leicht macht, erklärt uns Ingeborg Harms ebenso eindringlich. In der "dichten Prosa" sucht Harms nach Positionen und stößt auf politische Abgrenzungsversuche zum modernen Liberalismus, vor allem aber auf eine Verwandtschaft zu Virginia Woolf, wenn die Autorin ihre mit dem Nationalsozialismus konfrontierten Figuren ins poetische Schwelgen geraten lässt. Kein vielversprechender Weg, schließt Harms aus dem Gang der Handlung.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.12.2006

Als "Meisterstück des Atmosphärischen" lobt Meike Fessmann den Roman der englischen Autorin Elizabeth Bowen. Sie ist begeistert von der "Wohltemperiertheit des Tons" der Autorin. Bowen erzähle mit "würdevoller, ganz leicht unterkühlter Gelassenheit", sie erreiche mit ihrer Sprache einen "Schwebezustand", der den Roman lebendig macht und den Leser animiert, ihn immer wieder neu zu lesen. Obwohl das Werk bereits 1948 im englischen Original erschienen ist, ist der Roman noch viel frischer als viele moderne Prosastücke, lobt die Rezensentin. Dies liege auch an der guten Übersetzung und der geschlossenen Form des Textes. Darüber hinaus habe Bowen ein gutes Gespür für die zwischenmenschlichen Beziehungen ihres Personals. Insgesamt sei der Roman eine "differenzierte Nomenklatur der Gefühle" mit einer "Sprache der Fülle", wobei er niemals kitschig oder sentimental wird.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Dass es "nicht selten klingt ... wie eine Verteidigung", wenn an Elizabeth Bowen erinnert wird, kann Rezensentin Susanne Mayer nicht ganz nachvollziehen, schließlich habe man es hier mit einer "großartigen" Schriftstellerin zu tun. Den Vergleich mit Virginia Woolf müsse die Autorin nicht scheuen. Die Kritikerin freut sich jedenfalls über die neue Elizabeth-Bowen-Edition und vor allem über den Roman "In der Hitze des Tages", der 1948 erschienen ist und jetzt auf Deutsch vorliegt. Bowen führt ihre Protagonisten - ein Liebespaar - ins kriegszerstörte London und lässt sie eine "Amour fou" erleben. Im Wesentlichen enthalte der Roman jedoch Gesellschaftskritik und Bowen äußere diese Kritik in einer "Schärfe, die Woolf höchstens in ihren Briefen zeigt". Bowen schildere Familien und Beziehungen "als snobistische Milieus", die Heimeligkeit, die sie entwickelt, wirke "skurril". Besonderes Lob zollt die Kritikerin Bowens Kunst des Dialogs. Und sie garantiert dem Leser ein Buch, das zum "lustvollen, auch melancholischen Lesevergnügen" werde.