Aus dem Französischen von Cornelia Wand. Drei Selbstmorde hat es gegeben unter den Arbeitern im Atomkraftwerk. Einer der Toten ist Loïc, Yanns bester Freund, mit dem zusammen er schon seit Jahren als Zeitarbeiter im Rhythmus der jährlichen Wartungen von Reaktor zu Reaktor zieht. "Neutronenfutter" nennen sich diese Leute selbst, denn für jeden, der wegen zu hoher Strahlenbelastung ausfällt, gibt es sofort willigen Ersatz. Die Arbeiter leben im Wohnwagen oder im Hotel, vereint durch eine gewisse Solidarität, die sich aber bei der fehlenden Arbeitsplatzsicherheit und dem Stress unter der nuklearen Bedrohung schnell verbraucht. Dieser Roman macht die Bedrohung ebenso fühlbar wie die Faszination für das Kraftwerk und die Angst davor.
Tiefen Eindruck hat dieser kurze Roman über die Atomnomaden in Frankreich von Elisabeth Filhol bei Dirk Knipphals hinterlassen. Die Autorin schildert für ihn unerschrocken die Arbeit und den Alltag dieser Leiharbeiter, die in den französischen Atomkraftwerke unter miserablen Bedingungen die Drecksarbeit erledigen und dabei ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen. Neben den Vorgängen im Inneren der Reaktoren, die physikalisch genau und literarisch verdichtete beschrieben werden, sieht Knipphals die Arbeitswelt der Leiharbeiter im Mittelpunkt. Sein Fazit: ein Buch, das Bewunderung verdient.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2011
Mit Lob bedenkt Oliver Jungen diesen Debütroman Elisabeth Filhols über einen wenig bekannten Aspekt der französische Nuklearindustrie, der in Frankreich mit dem Prix France Culture Telerama ausgezeichnet wurde. Im Zentrum des beklemmend realistischen Werks sieht er das Schicksal der Atom-Nomaden, die in Frankreich von Zeitarbeitsfirmen angeheuert werden, um für wenig Geld, aber hoher Gefahr für Gesundheit und Leben die Drecksarbeit - Wartung und Neubestückung mit Kernbrennstoff - in den französischen Reaktoren erledigen, Schicht für Schicht, immer gemäß den Zeiten des Kraftwerks. Jungen attestiert der Autorin, das Leben dieses "Atom-Prekariats" so "kunstvoll" wie "lakonisch" zu schildern.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.05.2011
Alex Rühle zieht den französischen Originaltitel dieses schmalen Erstlingsromans von Elisabeth Filhol dem deutschen vor. "La Centrale", findet er, zielt genauer in das geheime Zentrum dieser von der Autorin so kühl wie ein Abklingbecken beschriebenen Geschichte über Arbeitsnomaden im Reaktorreinigungsgeschäft. An Michel Houellebecq erinnert der Text Rühle wegen dieses nüchternen, mitunter auch von atemberaubenden Bildern geprägten Blicks auf postmoderne Arbeitswelten am Rand der Sichtbarkeit, aber auch an die Tongebung eines Noir-Krimis. Unheimlich erscheint ihm das Beschriebene allemal, schon weil das Atom mit seiner unsichtbaren Gefahr immer präsent ist. Ein Roman, der Rühle mehr für das Thema sensibilisiert als alle Pamphlete.
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