Ehrengard Schramm

Ein Hilfswerk für Griechenland

Begegnungen und Erfahrungen mit Hinterbliebenen deutscher Gewalttaten der Jahre 1941-1944
Cover: Ein Hilfswerk für Griechenland
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2003
ISBN 9783525362754
Kartoniert, 167 Seiten, 15,40 EUR

Klappentext

1952 stieß Ehrengard Schramm, eine Kennerin Griechenlands und seiner Geschichte, auf ein "griechisches Oradour", das Städtchen Kalavrita, wo deutsche Truppen als Vergeltung alle Männer erschossen hatten. Sie baute mit dem organisatorischen Beistand des Deutschen Frauenrings ein Hilfswerk auf, das über 70 junge Kalavritaner zur Ausbildung in die Bundesrepublik bringen konnte. In gute Karrieren gelangt, konnten sie später ihre verwitweten, meist mittellosen Mütter unterstützen. Manchen Dörfern, in denen ähnliche Schrecklichkeiten geschehen waren, hat die Autorin auf verschiedene Weisen geholfen. Hier beschaffte sie eine Wasserleitung, dort ein Molkereiauto. Anderswo ebnete sie den Weg zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb, der dem Umland als Beispiel dienen sollte. Aufschlussreich ist auch ihre Tätigkeit auf Kreta auf den Spuren der dortigen Kampfhandlungen. Die höchst anschaulichen Briefe Ehrengard Schramms bilden den Grundstock dieses Buches.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.06.2004

Ehrengard Schramm ist die Schwester der 1944 hingerichteten Widerstandskämpferin Elisabeth von Thadden, schickt Christiane Schlötzer ihrer kurzen Besprechung als Information voraus. 1952 hörte Schramm in Athen das erste Mal von den schrecklichen Ereignissen im griechischen Kalavrita, wo die deutsche Wehrmacht beinahe alle männlichen Einwohner des Ortes erschossen hat. Schramm verschrieb sich der Aufgabe, so Schlötzer, den Hinterbliebenen und Angehörigen Hilfe zukommen zu lassen. Im vorliegenden Buch erstattet sie Bericht von dieser ungewöhnlichen Hilfsaktion, die in den 50er und 60er Jahren bei deutschen Parlamentariern und anderen Institutionen auf keinerlei Gegenliebe stieß. Im Gegenteil, so Schlötzer, es war ein "Spießrutenlaufen". Schramm war eine Person, die nervte, der es aber aufgrund ihrer Hartnäckigkeit gelang, 70 jungen Kalavritanern eine Ausbildung in Deutschland zu vermitteln. Ihr bewegender Bericht in Briefwechseln sei sorgfältig ediert, lobt Schlötzer, die Herausgeber machen auch keinen Hehl aus Schramms politischer Position, die beispielsweise kein Verständnis für den kommunistischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung hatte. Im übrigen sei Schramms Initiative mit keinem Wort erwähnt worden, als Bundespräsident Rau im Jahr 200 die Ortschaft Kalavrita besucht hätte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2004

Dieses Buch basiert, erfährt man von Franz-Josef Kos, einerseits auf den Erinnerungen von Ehrengard Schramm - eine Schwester der von den Nationalsozialisten hingerichteten Elisabeth von Thadden und Ehefrau des Historikers Percy Ernst Schramm -, die sie mit Hilfe ihrer Briefe verfasste, und andererseits auf der Zusammenfassung weiterer Schreiben durch die Herausgeber für die späteren Jahre. Schramm hat sich seit den Fünfziger Jahren bemüht, durch private Initiative das Leid in griechischen Dörfern zu lindern, in denen deutsche Truppen während der Besatzungszeit zwischen 1941 und 1944 Kriegsverbrechen verübt hatten. Trotz einiger Rückschläge, berichtet Kos, konnte sie viele kleine und große Erfolge erzielen, was die beiden Herausgeber vor allem auf Schramms Verzicht auf Publizität zurückführen, denn die Bundesregierung wollte keinen Präzedenzfall für eine deutsche Schuldanerkennung und eventuell daraus resultierende Wiedergutmachungsansprüche schaffen.