Aus dem Griechischen von Michaela Prinzinger. Angelpunkt des Romans ist der 13. Dezember 1943, an dem die deutsche Wehrmacht als sogenannte "Sühnemaßnahme" für Partisanenüberfälle die gesamte männliche Bevölkerung des griechischen Bergdorfs Kalavryta auf der Peloponnes ermorden ließ. Anders als das französische Oradour-sur-Glane, das der Nachwelt vollständig als Ruine erhalten blieb, wurde Kalavryta von den zurückgebliebenen Frauen über den Trümmern wiederaufgebaut. Maria Stefanopoulous Roman stellt das Trauma der Überlebenden in der Perspektive von vier Frauen dar; sie repräsentieren die Auseinandersetzung mit dem Erinnern über die Generationen: die Großmutter, die in ihrem Hass auf Deutsche wie auf Partisanen und in ihrer Trauer um Mann und Sohn verstummt ist; die Tochter, die in der Großstadt alles vergessen will; die Enkelin, die nach Kalavryta zurückkehrt; und die Urenkelin, die sich schließlich aus dem Zirkel der Trauer lösen kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.02.2020
Rezensent Stephan Wackwitz ist fasziniert von Maria Stefanopoulous "mythic fiction"-Roman, in dem sie das Massaker von Kalavryta verarbeitet, das die deutsche Wehrmacht im Jahr 1943 an griechischen Partisanen und den Bewohnern der Kleinstadt verübte. Hauptfigur ist der titelgebende Förster Athos, Opfer des Massakers, dessen Leiche jedoch nie gefunden wurde und der nun in der Erinnerung anderer Figuren und in Stefanopoulous "literarisch-ontologischem Zwischenreich" umhergeistert. Der Rezensent ist beeindruckt von dieser Mischung aus Fantasy-Literatur, historischem Familienroman und politischer Erinnerungskultur, die außerdem "originell" und "technisch anspruchsvoll" sei, meint er. Nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung deutsch-griechischer Geschichte, sondern auch ein Kommentar zur innenpolitischen Situation Griechenlands, schließt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.01.2020
Mit viel Lob bespricht Rezensentin Lena Bopp diesen Roman der griechischen Autorin Maria Stefanopoulo, die ihr hier die Geschichte des Massakers von Kalavryta erzählt. In jenem Dorf auf dem griechischen Peloponnes nahmen Soldaten der Wehrmacht im Jahre 1943 Rache an den vermeintlichen Unterstützern der Partisanen, die kurz zuvor achtzig deutsche Soldaten erschossen hatten. Alle Frauen und dreizehn Männer überlebten das Massaker - darunter der titelgebende Athos, resümiert die Kritikerin. Spannend findet Bopp vor allem die multiperspektivische Anlage des Romans: Wenn die Autorin nicht nur Athos, sondern auch seine Frau, seine Tochter, seine Enkelin und seine Urenkelin das Geschehen erzählen lässt, lernt die Rezensentin, wie sich Erinnern und Vergessen, Verdrängen und Trauerarbeit über die Generationen hinweg verändern. Nicht zuletzt gefällt der Kritikerin, wie behutsam Stefanopoulou in ihrem "einfühlsamen, klaren" Roman Athos und einen überlebenden Wehrmachtssoldaten aufeinandertreffen lässt.
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