Klappentext
Vorgestellt von Sabine Rückert. Vor der Kulisse Prags erzählt Egon Erwin Kisch in literarischen Reportagen von kaltblütigen Verbrechen und menschlichen Abgründen. Mal tritt er als investigativer Ermittler in Erscheinung, mal lässt er seine Heldinnen und Schurken zu Wort kommen, dann wieder mischt er sich direkt in das Geschehen ein. In ganz eigener Weise verband er journalistische Genauigkeit mit literarischem Stil, noch bevor Truman Capote das Prinzip für sich entdeckte. Sabine Rückert beleuchtet, was uns bis heute daran fasziniert - und was sie anders machen würde als der "rasende Reporter".
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.09.2026
Rezensentin Katharina Granzin genießt die Textsammlung mit Reportagen von Egon Erwin Kisch, auch wenn das Verbrechen hier nicht nur Raubmorde in unterhaltsamen Krimireportagen, sondern auch Verbrechen an der Menschheit meint. Unglaublich die Bandbreite der Themen, denen sich die Texte, herausgesucht von Sabine Rückert, widmen: so schrieb der "rasende Reporter" über das Prager Polizeimuseum, über Methode und "Arbeitsethos" eines Henkers, aber auch über den Selbstmord des k.u.k.-Geheimdienstlers Redl oder die Hinrichtung des einstigen NS-Staatsministers Hermann Frank, der für die Massenmorde in Lidice und Ležáky verantwortlich war. Wie Kisch dabei einerseits die "Sensationsgier" seines Publikums zu befriedigen wisse, andererseits aber bei ernsteren Themen die nötige Faktentreue und ein Gespür für die "Umstände" der Verbrechen an den Tag lege, findet Granzin beeindruckend. Toll geschrieben seien die Texte durchgehend. In Kombination mit den Illustrationen von Jörg Hülsmann und dem "Designobjekt"-haften Cover für sie eines der schönsten Bücher des Jahres.
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